Ein „Urlaubsherzinfarkt“ klingt nach einem griffigen Etikett, doch als eigene medizinische Diagnose existiert er gar nicht. Trotzdem häufen sich in der Notaufnahme bestimmter Urlaubsregionen Fälle, die auffällig oft dasselbe Muster zeigen: ein Mann, der im Alltag kaum Sport treibt, stürzt sich am ersten Ferientag in Hitze und Ehrgeiz.
Dazu kommen wenig Schlaf und abends ein Glas zu viel. Wissenschaftlich beweisen lässt sich der Begriff nicht, doch die typische Urlaubsmischung kann ein bereits vorgeschädigtes Herz sichtbar überfordern.

Der Urlaubsherzinfarkt braucht eine ehrliche Einordnung
Männer erleiden häufiger und oft früher eine koronare Herzkrankheit als Frauen. Daraus folgt jedoch nicht, dass Männer ausgerechnet im Urlaub häufiger einen Herzinfarkt bekommen. Für diese pauschale Aussage fehlen belastbare aktuelle Daten.
Was steckt also hinter dem Begriff?
Im Urlaub verändern sich mehrere Gewohnheiten gleichzeitig. Ein Mann, der im Büro meist sitzt, spielt plötzlich zwei Stunden Tennis. Danach folgen große Mahlzeiten und mehrere Gläser Wein.
Ein Herzinfarkt entsteht meist, wenn ein Blutgerinnsel ein krankhaft verengtes Herzkranzgefäß verschließt. Bluthochdruck, Rauchen und Diabetes erhöhen das Grundrisiko. Auch ein ungünstiger Cholesterinspiegel und eine familiäre Vorbelastung spielen eine Rolle.
Der Urlaub erzeugt diese Gefäßveränderungen nicht innerhalb weniger Tage. Er kann aber zum Moment werden, in dem eine bestehende Erkrankung erstmals auffällt. Gerade Männer sollten neue Beschwerden deshalb nicht als mangelnde Kondition abtun.
Was macht große Hitze mit Ihrem Herzen?
Bei hohen Temperaturen erweitert der Körper die Blutgefäße der Haut. Gleichzeitig steigt die Schweißproduktion. Das Herz muss mehr Blut bewegen, während der Körper Wasser und Salze verliert.
Wird Ihnen beim Aufstehen plötzlich schwarz vor Augen? Das kann auf einen Blutdruckabfall oder einen Flüssigkeitsmangel hinweisen. Herzklopfen, Schwäche und Kopfschmerzen passen ebenfalls zu einer Hitzebelastung.
Extreme Wärme ist mit einer höheren Zahl kardiovaskulärer Erkrankungen und Todesfälle verbunden. Besonders gefährdet sind Menschen mit einer bekannten Herzkrankheit. Auch bestimmte Medikamente können die Anpassung an die Hitze beeinflussen.
Trinken Sie regelmäßig und suchen Sie in der Mittagszeit einen kühlen Ort auf. Ändern Sie Herzmedikamente oder Entwässerungstabletten nie eigenständig.
Bei einer Herzschwäche sollte die passende Trinkmenge vor der Reise ärztlich geklärt werden.
Sie trainieren sicherer, wenn das Tempo zum Körper passt
Ungewohnte intensive Belastung kann bei anfälligen Menschen einen Herzinfarkt auslösen. Das absolute Risiko bleibt für die meisten Menschen gering. Es steigt jedoch, wenn ein untrainierter Körper ohne Vorbereitung an seine Grenze gebracht wird.
Ein Urlauber, nennen wir ihn Thomas, wollte am ersten Morgen mit seinem erwachsenen Sohn eine steile Küstenstraße hochfahren. Nach zehn Minuten drückte das Trikot auf der schweißnassen Brust. Er sagte, die Luft sei nur ungewohnt, und trat weiter.
Wie erkennen Sie ein vernünftiges Tempo für den Einstieg? Während einer lockeren Belastung sollten kurze Sätze noch möglich sein. Müssen Sie nach jedem Wort Luft holen, ist das Tempo für einen entspannten Einstieg zu hoch.
Nutzen Sie diese einfache Startroutine:
- Beginnen Sie vor 10 Uhr oder am kühleren Abend
- Wärmen Sie sich mindestens zehn Minuten langsam auf
- Wählen Sie am ersten Tag nur die halbe gewohnte Strecke
- Trinken Sie bereits vor dem Start ein Glas Wasser
- Legen Sie bei Druck auf der Brust sofort eine Pause ein
- Beenden Sie die Belastung bei Schwindel oder ungewöhnlicher Atemnot
| Urlaubssituation | Mögliche Belastung | Bessere Entscheidung |
| Tennis in der Mittagssonne | Hitze und hohe Intensität | Auf den Morgen ausweichen |
| Bergtour ohne Training | Plötzliche Dauerbelastung | Kürzere Route wählen |
| Sport nach einer Partynacht | Alkohol und Schlafmangel | Einen Ruhetag einlegen |
| Wettkampf mit Freunden | Warnzeichen werden verdrängt | Eigenes Tempo halten |
| Schwere Mahlzeit vor dem Lauf | Kreislauf und Verdauung arbeiten | Mehrere Stunden warten |
Wann wird das Feierabendbier für das Herz zum Problem?
Der Begriff Holiday Heart bezeichnet vor allem Herzrhythmusstörungen nach starkem Alkoholkonsum. Gemeint ist häufig Vorhofflimmern. Das ist etwas anderes als ein Herzinfarkt.
Kann das auch gesunde Männer treffen? Ja. Eine deutsche Untersuchung begleitete junge Erwachsene während eines geplanten starken Alkoholkonsums und stellte vorübergehende Rhythmusveränderungen fest.
Die auffälligen Ereignisse traten während des Trinkens und in der Erholungsphase auf.
Alkohol fördert außerdem einen Flüssigkeitsverlust und verschlechtert den Schlaf. Am nächsten Morgen fühlt sich die geplante Radtour trotzdem machbar an. Der Puls steigt dann mitunter schneller als erwartet.
Legen Sie alkoholfreie Tage ein und trinken Sie zwischen alkoholischen Getränken Wasser. Verzichten Sie nach einem feuchtfröhlichen Abend auf intensiven Sport. Bei anhaltendem Herzrasen oder einem unregelmäßigen Puls sollte die Ursache medizinisch geklärt werden.
Sie erkennen Warnzeichen auch fern von zu Hause
Ein Herzinfarkt zeigt sich häufig durch einen starken Druck oder ein Engegefühl im Brustkorb. Die Beschwerden können in einen Arm, den Rücken oder den Kiefer ausstrahlen. Kalter Schweiß und Übelkeit sind ebenfalls möglich.
Würden Sie mitten in einer Wanderung dafür den Rettungsdienst rufen? Viele Betroffene warten zunächst ab. Gerade im Ausland kostet dieses Zögern wertvolle Zeit.
Speichern Sie vor der Reise die örtliche Notrufnummer. Innerhalb der Europäischen Union erreichen Sie den Rettungsdienst unter 112. Teilen Sie Ihrer Begleitung mit, welche Medikamente Sie einnehmen und wo sich Ihre Unterlagen befinden.
Eine kurze Vorbereitung hilft:
- Fotografieren Sie Ihren Medikamentenplan
- Tragen Sie wichtige Diagnosen auf Papier bei sich
- Speichern Sie den Standort Ihrer Unterkunft
- Nehmen Sie ausreichend Medikamente in der Originalverpackung mit
- Informieren Sie Ihre Begleitung über bestehende Herzprobleme

Bei diesen Beschwerden zählt jede Minute
Rufen Sie bei einem starken Druck auf der Brust, einer plötzlichen Atemnot oder kaltem Schweiß sofort den Rettungsdienst. Fahren Sie nicht selbst zur Klinik. Was gilt, wenn die Beschwerden nach fünf Minuten wieder verschwinden?
Auch vorübergehende Symptome können auf eine ernste Durchblutungsstörung hinweisen. Lassen Sie sie umgehend beurteilen, besonders bei einer bekannten koronaren Herzkrankheit. Die aktuellen europäischen Leitlinien betonen die schnelle Erkennung und Behandlung eines akuten Koronarsyndroms.
Setzen Sie sich hin und vermeiden Sie weitere Anstrengung. Folgen Sie den Anweisungen der Leitstelle. Nehmen Sie zusätzliche Herzmedikamente nur so ein, wie es Ihnen ärztlich für einen Notfall erklärt wurde.
Fazit: Ein ruhiger Start schützt das Urlaubsherz
Männer bekommen nicht allein deshalb einen Herzinfarkt, weil sie verreisen. Riskant wird eher die Kombination aus einem unentdeckten Grundrisiko und ungewohnter Belastung bei großer Hitze.
Starten Sie langsam, begrenzen Sie Alkohol und nehmen Sie Druck auf der Brust ernst. Ein ausgelassenes Tennismatch lässt sich nachholen. Verlorene Zeit bei einem Herzinfarkt nicht.
Häufig gestellte Fragen!
Der Urlaub ist keine direkte Ursache. Hitze, ungewohnter Sport und ein höherer Alkoholkonsum können ein bereits erhöhtes Herzrisiko zusätzlich belasten.
Extreme Hitze kann das Herz-Kreislauf-System stark beanspruchen und das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse erhöhen. Besonders gefährdet sind Menschen mit einer bestehenden Herzkrankheit.
Damit sind meist Herzrhythmusstörungen nach starkem Alkoholkonsum gemeint. Das Holiday-Heart-Syndrom ist kein anderer Begriff für einen Herzinfarkt.
Typisch sind ein starker Druck auf der Brust, Atemnot und kalter Schweiß. Auch Schmerzen im Arm, Rücken oder Kiefer können auftreten.
Leichte Bewegung ist oft möglich, wenn Sie gesund sind und sich an die Wärme gewöhnt haben. Verlegen Sie den Sport auf den Morgen, trinken Sie regelmäßig und brechen Sie bei Beschwerden sofort ab.
