Am Abend des 30. September steht ein Mann vor der Tür und drückt seine Zigarette aus. „Das war sie.“ Aus der Wohnung kommt die Antwort: „Das sagst du jedes Mal.“ Er schaut noch einmal auf den Stummel. „Diesmal wirklich.“
Was jetzt kommt, dürfte er kennen. Rauchverlangen, Unruhe, vielleicht schlechte Laune und schlechter Schlaf. Der Rauchstopp kann sich ziemlich unangenehm anfühlen. Gleichzeitig beginnt in seinen Blutgefäßen womöglich schon eine Entwicklung, von der auch seine Erektionsfähigkeit profitiert.
Nach 36 Stunden kann sich die Durchblutung bereits verändern
Eine Erektion ist zu einem großen Teil Gefäßarbeit. Damit genug Blut in den Penis strömen kann, müssen sich die Gefäße dort erweitern. Rauchen kann diesen Vorgang stören, unter anderem, weil es die Gefäßinnenwand schädigt und weniger Stickstoffmonoxid zur Verfügung steht. Dieser Botenstoff ist an der Gefäßerweiterung beteiligt.
Und wenn der Zigarettenrauch plötzlich wegfällt?
Einen bemerkenswert frühen Hinweis liefert eine kleine Untersuchung. Bei 20 starken Rauchern mit Erektionsstörung verbesserte sich die gemessene Durchblutung des Penis bereits 24 bis 36 Stunden nach dem Rauchstopp.
Das klingt eindrucksvoller, als die Studie belegen kann. Gemessen wurde ein physiologischer Wert in einer sehr kleinen Gruppe. Ob die Männer zu diesem Zeitpunkt im Alltag schon bessere Erektionen bemerkten oder besseren Sex hatten, lässt sich daraus nicht ableiten.

Die erste Woche fühlt sich womöglich ganz anders an
Ein paar Tage später ist die Stimmung vielleicht weniger zuversichtlich.
„Und? Fühlst du dich schon besser?“
„Frag mich nächste Woche noch mal.“
Eine ungewöhnliche Antwort wäre das nicht. Gereiztheit, Ängstlichkeit, Niedergeschlagenheit, Konzentrationsprobleme, Schlaflosigkeit und Unruhe gehören zu den bekannten Symptomen des Nikotinentzugs. Am stärksten sind sie in der Regel in der ersten Woche, anhalten können sie zwei bis vier Wochen.
Genau hier liegt eine Verwechslung nahe. Wer schlecht schläft, gereizt oder niedergeschlagen ist und zugleich weniger Lust auf Sex hat oder Probleme im Bett bemerkt, gibt womöglich dem Rauchstopp die Schuld.
Der entscheidende Beleg dafür fehlt allerdings. Ob die Entzugsphase Libido oder Erektionsfähigkeit tatsächlich vorübergehend verschlechtert, ist nicht ausreichend untersucht. Die Behauptung, ein Rauchstopp führe zunächst zu einem Potenzeinbruch, lässt sich wissenschaftlich deshalb nicht halten.
Nach drei Monaten zeigen sich weitere positive Signale
Drei Monate sind vergangen. Ganz verschwunden ist das Rauchverlangen womöglich noch nicht. Wissenschaftlich wird es jetzt aber besonders interessant.
In einer Untersuchung wurden 65 Männer beim Rauchstopp begleitet. Acht Wochen lang erhielten sie Beratung und Nikotinpflaster. Vier Wochen nach dem letzten Pflaster, also rund drei Monate nach dem Rauchstopp, zeigten die 20 Männer, die es geschafft hatten, im Labor stärkere Erektionsreaktionen als die 45 Männer, die wieder rauchten.
Außerdem erreichten sie schneller ihre maximale sexuelle Erregung.
Auch diese Ergebnisse haben deutliche Grenzen. Die Gruppen waren klein, und gemessen wurde unter Laborbedingungen. Hinzu kommt die Nikotinersatztherapie. Nikotin selbst kann Gefäße verengen und in experimentellen Untersuchungen sexuelle Erregungsreaktionen dämpfen. Passend dazu fand sich in Woche vier, als die Männer noch hoch dosierte Pflaster trugen, kein Unterschied zwischen den Gruppen.
Einen Kalender, nach dem sich die Potenz nach exakt drei Monaten verbessert, liefert die Studie deshalb nicht. Sie liefert etwas Nützlicheres. Die frühen Daten sprechen eher für eine Verbesserung als für den befürchteten Einbruch.
Was die Studien nach Tagen, Wochen und Monaten zeigen
Die verfügbaren Untersuchungen lassen sich zeitlich ordnen. Sie bilden jedoch keinen gemeinsamen Verlauf ab. Es handelt sich um verschiedene Studien mit unterschiedlichen Teilnehmern und Messmethoden.
| Zeitpunkt | Was wurde beobachtet? | Wichtige Einschränkung |
| 24 bis 36 Stunden | Bessere Durchblutung des Penis bei 20 starken Rauchern mit ED | Sehr kleine Gruppe, physiologischer Messwert |
| Rund 3 Monate (4 Wochen nach Ende der Nikotinpflaster) | Stärkere Erektionsreaktionen bei erfolgreichen Aussteigern als bei Rückfälligen | Kleine Gruppen, Labormessung |
| 6 Monate | IIEF-Gesamtwert stieg von 54,8 auf 60,4 Punkte | Keine Kontrollgruppe, Rückfällige ausgeschlossen |
| 1 Jahr | Bei mindestens 25 % der Ex-Raucher mit ED besserte sich die Erektionsstörung | Ausgewählte Männer ohne weitere Risikofaktoren |
Nach sechs Monaten wird aus dem frühen Signal noch keine Garantie
Eine türkische Studie begleitete 181 Männer zwischen 30 und 60 Jahren. Nach sechs Monaten war ihr Durchschnittswert im International Index of Erectile Function, kurz IIEF, von 54,8 auf 60,4 Punkte gestiegen. Der IIEF ist ein etablierter Fragebogen zur männlichen Sexualfunktion.
Auch hier lohnt der Blick hinter die Zahl. Eine Kontrollgruppe gab es nicht. Fast alle Teilnehmer, genau 95 Prozent, nahmen zur Rauchentwöhnung das Medikament Vareniclin, und Männer mit Rückfall flossen nicht in die Auswertung ein.
Eine weitere Studie aus dem Iran untersuchte 281 Raucher mit Erektionsstörung (ED), bei denen keine weiteren Risikofaktoren vorlagen. Nach einem Jahr hatte sich die ED bei mindestens einem Viertel der Ex-Raucher gebessert. Bei den Männern, die weiterrauchten, wurde keine Verbesserung beobachtet. Ältere Männer und Männer mit schwererer ED profitierten weniger.
Zu einer gemeinsamen Erfolgsquote verrechnen lassen sich diese Ergebnisse nicht. Sie stammen aus unterschiedlichen Gruppen und Untersuchungen. Zusammengenommen passen sie aber zu der Annahme, dass ein Rauchstopp die Erholung der Erektionsfunktion unterstützen kann.
Wie viel sich erholt, ist von Mann zu Mann verschieden
Der Körper hat keine Stoppuhr, die nach der letzten Zigarette eine festgelegte Regenerationszeit herunterzählt. Wie stark sich die Erektionsfähigkeit verbessert, hängt vermutlich unter anderem vom Alter ab und davon, wie stark jemand bisher geraucht hat.
Ein Versprechen wie „Nach X Wochen ist Ihre Potenz zurück“ wäre deshalb falsch.
Hinzu kommt, dass eine Erektionsstörung viele Ursachen haben kann. Sie kann mit Diabetes, Gefäßerkrankungen und anderen gesundheitlichen Faktoren zusammenhängen und ein frühes Warnzeichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein. Halten Erektionsprobleme an, sollten Sie sie ärztlich abklären lassen.

Der Rauchstopp muss sich nicht sofort gut anfühlen
Monate später steht der Mann aus der Eingangsszene vielleicht wieder vor der Tür. Diesmal ohne Zigarette.
„Vermisst du sie noch?“
„Manchmal.“
Mehr wissen wir über ihn nicht. Ob er besser schläft, sich fitter fühlt oder seine Erektionen besser geworden sind, bleibt offen. Dieselbe Zurückhaltung ist bei den wissenschaftlichen Daten angebracht.
Die Forschung zu Rauchstopp und Erektionsfähigkeit ist überraschend dünn. Es fehlen größere kontrollierte Studien, die gerade die ersten Wochen engmaschig verfolgen. Einen Hinweis darauf, dass der Verzicht auf Zigaretten zunächst einen Potenzeinbruch auslöst, liefern die vorhandenen Studien trotzdem nicht.
Fazit: Die Erektion kann früher profitieren als gedacht
Die ersten Wochen ohne Zigaretten können anstrengend sein. Dass dadurch die Potenz zunächst schlechter wird, ist jedoch nicht belegt. Kleine Studien fanden erste Verbesserungen der Durchblutung bereits nach Stunden und stärkere Erektionsreaktionen nach rund drei Monaten.
Langfristig kann sich die Erektionsfähigkeit bei einem Teil der Männer verbessern. Wie schnell und wie stark, lässt sich für den Einzelnen nicht vorhersagen.
Die Sorge vor einem vorübergehenden Potenzverlust ist jedenfalls kein wissenschaftlich begründeter Anlass, die letzte Zigarette noch einmal aufzuschieben.
Häufig gestellte Fragen!
Dafür gibt es bislang keine direkte wissenschaftliche Evidenz. Die wenigen Untersuchungen zur frühen Phase zeigen eher Verbesserungen bei physiologischen Messwerten und bei der Erektionsreaktion.
Eine feste Frist gibt es nicht. Kleine Studien fanden erste Veränderungen bereits nach 24 bis 36 Stunden beziehungsweise nach rund drei Monaten. Ein allgemeingültiger Zeitpunkt für eine spürbare Verbesserung lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Der Nikotinentzug kann unter anderem Schlafprobleme, Gereiztheit, Unruhe und Niedergeschlagenheit verursachen. Ob diese Beschwerden Libido oder Erektionsfähigkeit in den ersten Wochen tatsächlich verschlechtern, ist nicht ausreichend untersucht.
Bei einem Teil der untersuchten Männer verbesserte sich die Erektionsfunktion nach dem Rauchstopp. Garantiert ist ein Erfolg aber nicht. Er hängt unter anderem von der individuellen Ausgangssituation ab.
Anhaltende Erektionsprobleme sollten Sie ärztlich abklären lassen. Eine ED kann unter anderem mit Gefäß- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammenhängen.
