Das Laub klebt feucht auf dem Rasen. Wer es zusammenrecht, sieht Blätter, Erde und vielleicht ein paar dunkle Stellen. Was dabei zusätzlich in die Luft gelangen kann, bleibt unsichtbar. Auf abgestorbenem Pflanzenmaterial wachsen Pilze, und ihre Sporen können bei empfindlichen Menschen Asthmabeschwerden verstärken.
Und doch ist die einfache Gleichung „nasses Herbstlaub gleich Asthmaanfall“ falsch.
Auf Herbstlaub wachsen Pilze, doch damit beginnt die Geschichte erst
Abgestorbene Blätter sind organisches Material, und zahlreiche Pilze besiedeln es. In Untersuchungen von Laub und anderem kompostierendem Pflanzenmaterial fanden Forscher unter anderem die Gattungen Alternaria und Aspergillus.
Für Menschen mit Asthma ist das nicht belanglos, denn eingeatmete Pilzsporen gehören zu den möglichen Asthmatriggern. Am besten untersucht ist Alternaria, daneben spielen etwa Cladosporium, Aspergillus und Penicillium eine Rolle.
Beobachtungsstudien zeigen, dass höhere Pilzsporenkonzentrationen in der Außenluft bei Menschen mit Asthma mit mehr Beschwerden, schlechterer Lungenfunktion oder mehr Krankenhausaufnahmen verbunden sein können. Das gilt vor allem für Menschen, die auf den jeweiligen Pilz allergisch reagieren.
Was beim Laubharken selbst passiert, ist damit aber nicht geklärt. Direkte Studien zu Asthmaanfällen während oder nach gewöhnlicher privater Laubarbeit fehlen.
Warum feuchtes Laub nicht automatisch mehr Sporen in der Luft bedeutet
Hier wird es überraschend. Feuchtigkeit begünstigt zwar Pilzwachstum und die Zersetzung von Pflanzenmaterial. Dass an einem nassen Herbsttag besonders viele allergene Pilzsporen eingeatmet werden, folgt daraus aber nicht.
Bei Alternaria und Cladosporium zeigt sich häufig ein anderes Muster. Sie zählen zu den sogenannten Trockenwettersporen, ihre Konzentration steigt oft bei wärmerem, trockenerem Wetter. Regen kann frei fliegende Sporen zunächst aus der Luft waschen.
Auch die Idee einer „Schimmelsporensaison“ im Herbst greift zu kurz. Langjährige Messungen aus England zeigen etwa für Cladosporium Spitzenwerte im Juli und August, für Alternaria im August.
Auch deutsche Informationen sehen die stärkste Belastung durch wichtige allergene Außenluftpilze überwiegend im Sommer und Spätsommer.
Für Herbstlaub ergibt sich daraus ein genaueres Bild. Feuchte Blätter können Pilzen einen guten Lebensraum bieten. Trocknet das Material später ab oder wird es bewegt, können Sporen, Pilzfragmente und andere Partikel in die Luft gelangen.

Entscheidend ist, was beim Arbeiten aufgewirbelt wird
Rechen und Laubbläser erledigen dieselbe Arbeit auf sehr verschiedene Weise. Für das, was dabei in die Atemluft gelangt, könnte genau das wichtiger sein als die Frage, ob die Blätter feucht sind.
Schon 2001 maß das Umweltbundesamt in einer kleinen Felduntersuchung die Luft beim Einsatz tragbarer Laubbläser, und zwar auf zwei mit Herbstlaub bedeckten Rasenflächen. In den meisten Messungen lag die Konzentration kultivierbarer, also im Labor anzüchtbarer Pilze während des Blasens über den Ausgangswerten, besonders bei größeren Laubmengen.
Die Untersuchung hat erhebliche Grenzen. Menschen und Asthmasymptome kamen darin nicht vor, und ein kontrollierter Vergleich mit dem Rechen fehlte. Sie belegt deshalb nur, dass solche Geräte Pilzbestandteile und andere Mikroorganismen aufwirbeln können.
Eine spätere Demonstrationsmessung von Helmholtz Munich ergab beim Laubblasen ungefähr zehnmal so viele Partikel in der Umgebungsluft wie beim Rechen. Auch diese Zahl taugt nicht für weitreichende Schlüsse. Gemessen wurden Partikel insgesamt, nicht allein allergene Pilzsporen, und eine klinische Asthmastudie war es ebenfalls nicht.
Was Pilzsporen in empfindlichen Atemwegen auslösen können
Bei einer klinisch relevanten Pilzallergie können eingeatmete Allergene eine Immunreaktion auslösen, die über IgE-Antikörper vermittelt wird. Entzündungsprozesse lassen die Schleimhäute anschwellen, fördern die Schleimproduktion und können überempfindliche Bronchien verengen. Mögliche Folgen sind Husten, pfeifende Atmung, Engegefühl in der Brust und Luftnot.
Viele allergene Pilzsporen sind so klein, dass sie bis in die unteren Atemwege gelangen. Noch kleinere Pilzfragmente können zusätzlich Allergene transportieren.
Beschwerden bei der Laubarbeit automatisch den Pilzen zuzuschreiben, wäre dennoch vorschnell. Kalte Luft, körperliche Anstrengung, Staub und Luftschadstoffe können empfindliche Atemwege ebenfalls reizen. Auch mehrere Auslöser gleichzeitig sind möglich.
Nicht jeder Mensch mit Asthma trägt dasselbe Risiko
Besondere Vorsicht ist plausibel, wenn eine klinisch relevante Pilzallergie bekannt ist oder wenn bei Garten-, Kompost- oder Laubarbeiten wiederholt Husten, pfeifende Atmung oder Luftnot auftreten.
Auch wer schweres oder schlecht kontrolliertes Asthma hat oder bereits schwere Verschlechterungsschübe (Exazerbationen) erlebt hat, sollte mögliche Auslöser mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen.
Für Menschen mit gut kontrolliertem Asthma und ohne bekannte Schimmelpilzallergie gibt die Forschung dagegen keinen Anlass für ein generelles Laubharkverbot.
So lässt sich die Belastung bei der Laubarbeit begrenzen
Wer empfindlich auf Pilze reagiert oder bei Gartenarbeiten bereits Asthmabeschwerden erlebt hat, kann die Belastung mit einigen einfachen Maßnahmen verringern:
- Laubbläser möglichst meiden und eine Methode wählen, die weniger aufwirbelt.
- Stark verschimmeltes oder länger verrottetes Material möglichst nicht selbst bewegen.
- Kompost nicht gleichzeitig mit der Laubarbeit wenden, denn dabei können erhebliche Mengen an biologischen Partikeln, sogenannten Bioaerosolen, freigesetzt werden.
- Möglichst nicht in einer sichtbaren Staub- oder Laubfahne arbeiten.
- Bei deutlicher Staubentwicklung kann eine gut sitzende FFP2-Maske die Menge eingeatmeter Partikel verringern. Ob sie Asthmaanfälle beim Laubharken verhindert, ist nicht untersucht.
- Die ärztlich vereinbarte Bedarfsmedikation und den Asthma-Aktionsplan mit den Notfallmaßnahmen griffbereit haben.
- Bei Husten, pfeifender Atmung, Engegefühl in der Brust oder Luftnot die Arbeit abbrechen und nach dem persönlichen Asthma-Aktionsplan handeln.
Nicht auf der Liste steht eine scheinbar naheliegende Regel. Dass Menschen mit Asthma Laub grundsätzlich nass harken sollten, ist wissenschaftlich nicht ausreichend belegt.

Fazit: Beim Herbstlaub zählen Belastung und persönliches Risiko
Pilze wachsen auf abgestorbenem Laub, und ihre Sporen können bei entsprechend empfindlichen Menschen Asthma verschlechtern. Eine belegte Kausalkette vom nassen Herbstlaub zum Asthmaanfall beim Harken folgt daraus jedoch nicht.
Wichtiger sind die persönliche Empfindlichkeit und die Frage, wie viele Pilzbestandteile, wie viel Staub und andere Partikel bei der Arbeit in die Atemluft gelangen. Deshalb spricht bei Asthma mehr für Vorsicht beim Laubbläser als dafür, gewöhnliches Laubharken pauschal zum Gesundheitsrisiko zu erklären.
Häufig gestellte Fragen!
Bei sensibilisierten Menschen können bestimmte Pilzsporen Asthmabeschwerden verstärken und akute Verschlimmerungen (Exazerbationen) begünstigen. Wie hoch das individuelle Risiko ausfällt, hängt unter anderem von der Pilzart, der Asthmakontrolle und der persönlichen Empfindlichkeit ab.
Das lässt sich pauschal nicht sagen. Feuchtigkeit fördert Pilzwachstum, doch Regen kann bestimmte frei fliegende Sporen gleichzeitig aus der Luft waschen.
Bei bekannter Pilzallergie oder Beschwerden bei der Gartenarbeit ist das eine sinnvolle Vorsichtsmaßnahme. Messungen zeigen, dass Laubbläser große Mengen an Partikeln und auch Pilzbestandteile aufwirbeln können.
Eine gut sitzende FFP2-Maske kann die Menge eingeatmeter Partikel verringern. Direkte klinische Studien, die zeigen, dass sie Asthmaanfälle beim Laubharken verhindert, fehlen jedoch.
Wiederkehrender Husten, pfeifende Atmung, Brustenge oder Luftnot bei Garten-, Kompost- oder Laubarbeiten kann auf einen relevanten Auslöser oder auf ein nicht ausreichend kontrolliertes Asthma hinweisen. Besprechen Sie solche Beschwerden mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
