Asthma betrifft Millionen Menschen – doch nur wenige wissen, dass ein Teil der Ursachen nicht in der Lunge, sondern im Darm beginnt.
Neue Studien zeigen: Das Gleichgewicht der Darmbakterien kann Entzündungsreaktionen im gesamten Körper beeinflussen – auch in den Atemwegen. Wenn Sie regelmäßig unter Atemnot, Reizhusten oder Engegefühl in der Brust leiden, lohnt sich ein Blick auf den Verdauungstrakt.
Wie das Mikrobiom mit der Lunge kommuniziert und was Sie im Alltag konkret tun können, erfahren Sie hier.

Wie der Darm mit der Lunge spricht – die sogenannte Darm-Lungen-Achse
Klingt überraschend, ist aber gut untersucht: Der Darm und die Lunge tauschen ständig Informationen aus – über das Immunsystem, Entzündungsbotenstoffe und Stoffwechselprodukte der Bakterien.
Dieses Netzwerk wird in der Forschung als Darm-Lungen-Achse beschrieben. Ist das Mikrobiom gestört – etwa durch Antibiotika, schlechte Ernährung oder chronischen Stress – entstehen oft auch in der Lunge vermehrt entzündliche Prozesse.
Eine Studie von Chiu et al. (2019) zeigt: Kinder mit Asthma haben oft weniger verschiedene Darmbakterien als gesunde Kinder. Besonders betroffen sind Kinder, deren Darmflora sich in den ersten Lebensmonaten nicht gut entwickeln konnte.
Auch Erwachsene mit Asthma können von einer gesunden Darmflora profitieren. Eine vielfältige Darmflora kann das Immunsystem stärken und Entzündungen im Körper verringern.
Deshalb ist es sinnvoll, auf eine ausgewogene Ernährung zu achten, die viele Ballaststoffe enthält, um die Darmgesundheit zu fördern.
Warum die Ernährung bei Asthma oft übersehen wird
Viele Menschen mit Asthma richten ihren Fokus auf Medikamente und Inhalatoren. Doch was täglich auf dem Teller liegt, beeinflusst Entzündungsreaktionen maßgeblich.
Eine ballaststoffarme Ernährung, viel Zucker, Alkohol und industriell verarbeitete Lebensmittel schwächen das Mikrobiom – und können Schübe verstärken.
Ein Beispiel aus der Praxis: Julia (36), lebt seit ihrer Kindheit mit Asthma. Nach monatelangem Reizhusten und wiederkehrenden Entzündungen wagte sie eine Eliminationsdiät – und stellte fest, dass ihr Körper besonders empfindlich auf Weizen und Kuhmilch reagiert. Seitdem lebt sie fast beschwerdefrei.
Bakterien mit Wirkung – welche Probiotika bei Asthma helfen können
Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die sich positiv auf die Darmflora auswirken können – vorausgesetzt, sie passen zur individuellen Situation.
Eine Studie von Sagar et al. (2014) zeigte, dass bestimmte Stämme wie Lactobacillus rhamnosus und Bifidobacterium breve in einem Mausmodell für chronisches Asthma Entzündungen in den Atemwegen reduzieren konnten.
Diese Wirkung war vergleichbar mit der des entzündungshemmenden Medikaments Budesonid.
Obwohl diese Ergebnisse vielversprechend sind, wurden sie bisher nur in Tierversuchen beobachtet. Weitere Studien sind notwendig, um die Wirksamkeit und Sicherheit dieser Probiotika beim Menschen zu bestätigen.
Dabei geht es nicht nur darum, »gute Bakterien« zuzuführen, sondern ein gesundes Gleichgewicht wiederherzustellen. Präbiotika – Ballaststoffe, die die nützlichen Bakterien füttern – spielen dabei eine ebenso große Rolle.
Besonders hilfreich sind resistente Stärke, Flohsamenschalen oder Inulin aus Chicorée.
Entzündungshemmer auf dem Teller – was Ihre Lunge beruhigt
Bestimmte Lebensmittel wirken wie natürliche Entzündungshemmer. Dazu zählen vor allem:
| Lebensmittelgruppe | Beispiele | Wirkung auf Entzündungen |
| Omega-3-Fettsäuren | Lachs, Leinsamen, Walnüsse | Senken entzündliche Zytokine |
| Polyphenole | Beeren, grüner Tee, Kurkuma | Schutz vor oxidativem Stress |
| Fermentierte Produkte | Sauerkraut, Kefir, Kimchi | Unterstützen das Mikrobiom |
| Antioxidantien | Brokkoli, Spinat, Paprika | Stärken die Immunabwehr |
Die Harvard T.H. Chan School of Public Health (2022) erklärt: Bestimmte Lebensmittel fördern Entzündungen im Körper. Dazu gehören stark verarbeitete Produkte mit vielen Zusatzstoffen, Zucker und Transfetten – wie Süßigkeiten, Fast Food oder Limonade. Wer solche Lebensmittel regelmäßig isst, hat ein höheres Risiko für Herzkrankheiten, Diabetes und andere chronische Entzündungen.
Wussten Sie, dass eine ballaststoffreiche Ernährung innerhalb weniger Wochen die Zusammensetzung der Darmflora verändern kann? Der Effekt zeigt sich nicht nur im Stuhlgang – sondern auch in der Lunge.
So können Sie persönliche Trigger erkennen (Eliminationsdiät als Test)
Eine Eliminationsdiät ist kein Dauerzustand, aber ein hilfreiches Werkzeug. Dabei verzichten Sie für zwei bis vier Wochen auf potenzielle Auslöser wie Gluten, Milchprodukte, Soja, Eier und verarbeitete Zuckerarten – und beobachten, ob sich Ihre Beschwerden verändern.
Anschließend führen Sie die Lebensmittel nacheinander wieder ein. So erkennen Sie individuell, worauf Ihr Körper reagiert. Wichtig: Eine solche Diät sollte am besten mit ärztlicher Begleitung erfolgen, um Mangelernährung zu vermeiden.
So können Sie Ihren Darm täglich unterstützen – ganz ohne Aufwand
Der erste Schritt beginnt oft im Kleinen: Ein Glas lauwarmes Wasser mit etwas Zitronensaft am Morgen regt die Verdauung an. Dazu täglich eine Portion fermentiertes Gemüse, mehr Gemüse als Beilage statt Brot oder Nudeln und gezielt Ballaststoffe einbauen – etwa 30 Gramm pro Tag.
Auch Bewegung beeinflusst das Mikrobiom: Schon regelmäßige Spaziergänge fördern die Bakterienvielfalt. Stress reduzieren, ausreichend schlafen und langsam essen – all das wirkt sich auf Darm und Lunge aus.

Fazit: Die Verbindung ist stärker als gedacht – und das ist eine gute Nachricht
Die Forschung zeigt immer klarer: Wer seine Darmflora stärkt, kann auch die Entzündungsneigung der Lunge senken.
Für Menschen mit Asthma bedeutet das mehr Einflussmöglichkeiten im Alltag – jenseits der klassischen Schulmedizin. Ernährung, Bewegung und gezielte Probiotika sind keine Ersatztherapie, aber ein sinnvoller Hebel für mehr Atemfreiheit.
