Blutzucker messen ohne Stechen klingt für viele Menschen mit Diabetes fast zu gut. Kein Lanzettengeräusch. Kein kleiner Tropfen Blut auf dem Teststreifen.
Das Berliner Unternehmen DiaMonTech arbeitet seit Jahren genau daran und verweist auf neue klinische Daten aus Ulm. Noch ersetzt die Technik die übliche Blutzuckermessung nicht. Sie zeigt aber, wohin sich die Diabetes-Versorgung bewegen könnte.
Warum jeder Fingerpieks im Alltag zählt
Wer mehrmals täglich Blutzucker misst, kennt die kleinen Routinen. Tasche öffnen, Teststreifen suchen, Finger massieren, stechen. Manchmal sitzt der Tropfen sofort. Manchmal braucht es einen zweiten Versuch.
Viele Menschen messen deshalb seltener, als es medizinisch sinnvoll wäre. Das betrifft besonders Menschen mit Typ-2-Diabetes, die keine kontinuierliche Glukosemessung tragen. Aber auch bei Typ-1-Diabetes bleibt die Kontrolle eine tägliche Aufgabe.
Wie oft denkt man dabei nur kurz: heute später? Genau hier liegt der Reiz der nicht invasiven Blutzuckermessung. Sie soll Werte liefern, ohne die Haut zu verletzen.
Für den Alltag wäre das mehr als Bequemlichkeit. Es könnte Hemmschwellen senken und Messlücken schließen.

Wie misst ein Laser den Blutzucker?
Die DiaMonTech-Technik nutzt einen Quantenkaskadenlaser im mittleren Infrarotbereich. Dieser trifft auf die Haut und regt Glukosemoleküle in der Gewebsflüssigkeit an. Dabei entsteht eine winzige Wärmereaktion, die das Gerät erfasst und in einen Glukosewert übersetzt.
Was bedeutet das praktisch? Die Messung zielt auf die Flüssigkeit unter der obersten Hautschicht. Auch heutige CGM-Sensoren messen dort, allerdings mit einem kleinen Faden unter der Haut. DiaMonTech möchte diesen Schritt ohne Einstich schaffen.
Das Verfahren heißt mittlere Infrarotspektroskopie mit photothermaler Detektion. Kurz gesagt sucht der Laser nach einem bestimmten „Fingerabdruck“ der Glukose. Klingt technisch, ist aber im Prinzip ein optisches Erkennungsverfahren.
Was die DiaMonTech-Studie aus Ulm bedeutet
Die klinische Validierung wurde am Institut für Diabetes-Technologie in Ulm durchgeführt. In der Studie nahmen 36 Personen teil, davon 13 Menschen mit Typ-1-Diabetes, 17 mit Typ-2-Diabetes und 6 gesunde Vergleichspersonen.
Die Werte der nicht invasiven Messung wurden mit einem klinischen Referenzgerät verglichen. Die Ergebnisse waren vielversprechend.
Laut Veröffentlichung lagen je nach Sitzung 97,5 bis 98,6 Prozent der Messpunkte in den klinisch akzeptablen Bereichen A und B der Konsens-Fehlergitteranalyse. Der mittlere Messfehler, ausgedrückt als MARD, lag bei rund 20 Prozent. Damit ist die Genauigkeit vergleichbar mit frühen, von der FDA zugelassenen CGM-Systemen.
Eine Patientin mit Typ-2-Diabetes erzählte ihrem Diabetologen einmal, sie messe immer dann weniger, wenn die Fingerkuppen rau seien. Winterluft, Spülwasser, Papierstapel im Büro. Kleine Dinge.
Genau solche Alltagsszenen erklären, warum eine schmerzfreie Messung so viel Aufmerksamkeit bekommt.
Welche Blutzuckermessung passt aktuell zu Ihnen?
Noch ist die Lasermessung kein Ersatz für zugelassene Standardmethoden. Welche Option heute sinnvoll ist, hängt von Ihrer Therapie ab.
| Methode | Vorteil | Grenze |
| Fingerpiksen | Schnell und günstig | Einzelwert und kleine Verletzung |
| CGM-Sensor | Verlauf über den Tag | Sensor unter der Haut |
| Flash-Glukosemessung | Alltagstauglich | Messung im Gewebe mit Verzögerung |
| Laser-Messung | Ohne Stich geplant | Noch in Entwicklung |
Bei einer Insulintherapie bleibt eine zuverlässige Messung besonders wichtig. Niedrige Werte müssen sicher erkannt werden. Auch nach Sport, Alkohol oder einer ausgelassenen Mahlzeit zählt Genauigkeit.
So vermeiden Sie Fehler beim Blutzucker messen
Auch moderne Technik braucht eine saubere Routine. Klebrige Finger nach Obst, kalte Hände oder ein alter Teststreifen können Werte verfälschen.
Was hilft sofort?
- Waschen Sie vor der Messung die Hände mit warmem Wasser
- Trocknen Sie die Finger gut ab
- Stechen Sie seitlich an der Fingerkuppe mit einer neuen Lanzette
- Vergleichen Sie ungewöhnliche Werte mit einer zweiten Messung
- Notieren Sie Essen, Bewegung und Medikamente kurz mit
Bei CGM-Sensoren lohnt sich ein Blick auf den Trendpfeil. Steigt der Wert rasch, kann ein Gewebewert dem Blutwert etwas hinterherlaufen. Das ist kein Gerätefehler, sondern Biologie.
Wann neue Technik wirklich entlastet
Eine neue Messmethode hilft nur, wenn sie sicher, bezahlbar und gut bedienbar ist. Das Gerät muss auch morgens im Bad funktionieren, wenn das Licht grell ist und der Kaffee schon läuft. Es darf nicht nur im Studienraum überzeugen.
Für Menschen mit Diabetes zählt am Ende eine einfache Frage. Kann ich mich auf den Wert verlassen? Genau daran müssen sich nicht invasive Systeme weiter messen lassen.
Bis dahin bleiben bewährte Messgeräte und CGM-Sensoren die Grundlage für Therapieentscheidungen.

Fazit: Warum der Laser Hoffnung macht, aber Geduld braucht
Die Berliner DiaMonTech-Technologie zeigt, dass Blutzucker messen ohne Stechen realistischer wird. Die Ulmer Studiendaten sind ein wichtiger Schritt, besonders für Menschen, die das tägliche Pieksen belastet.
Trotzdem braucht es weitere Studien, Alltagstests und eine klare Zulassung. Wer heute Diabetes behandelt, sollte bewährte Messmethoden weiter nutzen.
Gleichzeitig lohnt sich der Blick auf diese Entwicklung. Vielleicht liegt die Zukunft der Blutzuckermessung tatsächlich auf der Hautoberfläche.
Häufig gestellte Fragen!
Es gibt verschiedene Forschungsansätze und Geräte in Entwicklung. Im Alltag sind aktuell vor allem CGM-Systeme verbreitet, die minimal invasiv messen.
Das handliche D-Pocket-Gerät befindet sich laut Unternehmen noch in Entwicklung. Eine breite Versorgung im Alltag ist derzeit noch nicht etabliert.
Die Ulmer Daten zeigen eine klinisch vielversprechende Genauigkeit auf dem Niveau früher zugelassener CGM-Systeme. Für Therapieentscheidungen müssen Zulassung, Alltagstauglichkeit und weitere Vergleichsdaten noch geprüft werden.
Derzeit nicht. CGM-Sensoren sind zugelassene Systeme, während die DiaMonTech-Technologie noch weiterentwickelt wird.
Regelmäßige Werte helfen, Unterzuckerungen und zu hohe Werte rechtzeitig zu erkennen. Sie unterstützen die Anpassung von Essen, Bewegung und Medikamenten.
