Der Koffer ist schnell gepackt. Reisepass, Sonnencreme, Adapter, der Lieblingsroman. Was dabei oft fehlt, ist ein kurzer Blick in den Impfpass.
Dabei entscheidet dieser kleine gelbe Hefter manchmal darüber, ob die Einreise klappt, ob man sich unterwegs wirklich erholt oder ob man krank zurückkommt. Wer frühzeitig prüft, was fehlt, vermeidet hektische Arzttermine in den letzten Wochen vor dem Abflug.
Und das gilt nicht nur für Fernreisen.
Was Ihr Reiseziel wirklich verlangt
Zunächst lohnt eine Unterscheidung, die viele erst am Flughafen lernen: Es gibt Pflichtimpfungen und empfohlene Reiseimpfungen. Pflichtimpfungen sind gesetzlich vorgeschrieben, zum Beispiel der Nachweis einer Gelbfieberimpfung bei der Einreise in bestimmte Länder Afrikas und Südamerikas.
Fehlt der entsprechende Stempel im Impfausweis, kann die Einreise verweigert werden, auch wenn der Flug bezahlt ist und das Hotel wartet.
Empfohlene Reiseimpfungen dagegen sind keine Vorschrift, aber oft kluger Eigenschutz. Sie richten sich nach Ziel, Reisedauer und Art der Reise. Eine Woche Strandhotel in Tunesien stellt andere Anforderungen als drei Wochen Rucksacktour durch Kambodscha.
Zu den häufig empfohlenen Reiseimpfungen gehören:
- Hepatitis A bei Reisen in Länder mit niedrigen Hygienestandards
- Typhus bei längeren Aufenthalten mit engem Kontakt zu lokalen Speisen und Wasser
- Tollwut bei Trekking, Tierkontakt oder abgelegenen Regionen ohne Zugang zur Notfallversorgung
- Meningokokken bei Pilgerreisen oder Reisen in Teile Afrikas südlich der Sahara
Die aktuellen länderspezifischen Empfehlungen der STIKO und der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin sind öffentlich abrufbar und werden regelmäßig aktualisiert.

Der Blick in den Impfpass lohnt sich
Wer den eigenen Impfpass aufschlägt, erlebt manchmal eine kleine Überraschung. Zwischen Kindheitsstempeln und einem vergessenen Urlaub vor zehn Jahren klafft manchmal eine Lücke von über einem Jahrzehnt. Die Basisimpfungen werden von vielen Erwachsenen schlicht nicht mehr aktuell gehalten.
Dabei schützen genau diese Impfungen überall, nicht nur in Risikogebieten:
| Impfung | Warum wichtig | Empfohlene Auffrischung |
| Tetanus | Verletzungen und Wunden weltweit möglich | Alle 10 Jahre |
| Diphtherie | Schwere Atemwegserkrankung, global relevant | Kombinationsimpfung |
| Polio | In einigen Regionen weiterhin aktiv | Laut STIKO individuell prüfen |
| Pertussis | Keuchhusten betrifft auch Erwachsene | Einmalige Auffrischung im Erwachsenenalter |
Ein Termin beim Hausarzt reicht oft aus, um den Stand zu prüfen und Lücken zu schließen. Die Kosten für reisemedizinisch relevante Impfungen werden von vielen gesetzlichen Krankenkassen zumindest anteilig übernommen. Lohnt sich, kurz nachzufragen.
Warum FSME mitten in Europa wichtig sein kann
Hier denken viele zuerst an Zecken in Osteuropa oder Sibirien. Tatsächlich gibt es FSME-Risikogebiete in Bayern, Baden-Württemberg, Teilen Thüringens sowie in Österreich, der Schweiz und weiteren mitteleuropäischen Ländern. Wer plant, in diesen Regionen zu wandern, Rad zu fahren oder zu campen, sollte die Impffrage ernst nehmen.
Thomas, 38, Realschullehrer aus Augsburg, dachte beim Buchen eines Familiencampingurlaubs im Bayerischen Wald zunächst an Mückenschutz. Die FSME-Impfung fiel ihm erst beim Vorsorge-App-Erinnerungspiepen ein, drei Wochen vor Abfahrt. Es reichte gerade noch für die erste Dosis. Ein glücklicher Zufall, kein Plan.
Wer regelmäßig in Naturgebieten unterwegs ist, sollte die Impfung nicht als Einzelentscheidung, sondern als Teil des Standardschutzes betrachten. Aktuelle Risikokarten des RKI zeigen genau, welche Kreise und Regionen betroffen sind.
Welche Impfungen viele kurz vor Fernreisen vergessen
Hepatitis A gehört zu den häufigsten versäumten Reiseimpfungen weltweit. Verunreinigtes Wasser oder Essen reichen als Übertragungsweg aus, selbst in Restaurants, die ordentlich aussehen. Die Impfung ist gut verträglich und schützt zuverlässig.
Typhus wird gerne unterschätzt, besonders bei Individualreisen durch Süd- und Südostasien. Wer auf Märkten isst und lokales Wasser trinkt, hat ein spürbar erhöhtes Risiko.
Bei Tollwut denken die meisten an Bisswunden durch streunende Hunde. In der Praxis reicht ein Kratzer durch einen Affen am Tempelpfad, wie es Reisenden auf Bali immer wieder passiert. Wer mit Kindern reist, sollte das besonders im Hinterkopf haben, denn Kinder gehen auf Tiere zu, ohne nachzudenken. Die Postexpositionsprophylaxe nach einem Kontakt ist aufwendig und in manchen Regionen schwer zugänglich. Die Impfung vorher ist der deutlich einfachere Weg.
Wie viel Vorlauf schützt vor Last-Minute-Stress
Sechs Wochen vor Abreise ist das Minimum für eine reisemedizinische Beratung, früher ist deutlich besser. Manche Impfserien brauchen mehrere Dosen im Abstand von Wochen. Wer zwei Monate vorher anfängt, hat alle Optionen offen.
So gehen Sie konkret vor:
- Reiseziel, Route und geplante Aktivitäten festlegen
- Impfpass heraussuchen und Datum der letzten Auffrischungen prüfen
- Termin beim Hausarzt oder einer reisemedizinischen Beratungsstelle buchen
- Pflicht- und empfohlene Impfungen unterscheiden lassen
- Malariarisiko besprechen und gegebenenfalls Prophylaxe mitnehmen
Malaria ist kein Impfthema, sondern ein Medikamententhema. Je nach Region kann eine medikamentöse Vorbeugung sinnvoll sein. Wer das erst am Flughafen regeln will, hat schlechte Karten.
Mit Kindern unterwegs braucht der Impfplan mehr Ruhe
Familienreisen brauchen mehr Vorlauf, nicht weniger. Kinder haben je nach Alter unterschiedliche Impfpläne, und nicht alle Reiseimpfungen sind ab Geburt oder ab dem ersten Lebensjahr zugelassen. Eltern sollten den Kinderimpfpass frühzeitig prüfen und keine Annahmen treffen.
Was konkret hilft:
- Kinderimpfpass mindestens acht Wochen vor Reisebeginn beim Kinderarzt vorlegen
- Reiseziel und Aktivitäten genau benennen, damit die Empfehlung passt
- Bei Reisen in Regionen mit Tierkontaktrisiko Tollwut explizit ansprechen
- Durchfallprävention, Mückenschutz und Sonnenschutz mitplanen
Ein Kind, das im Urlaub krank wird, macht aus einem Erholungsurlaub schnell einen Belastungstest. Die Vorbereitung dauert wenige Stunden. Der Unterschied kann erheblich sein.

Fazit: Ein kurzer Impfcheck kann den Sommer deutlich entspannter machen
Reiseimpfungen gehören zur Reiseplanung wie die Stornierungsbedingungen und die Reiseversicherung. Wer Pflichtimpfungen, Basisimpfungen und individuelle Reiseimpfungen frühzeitig prüft, verhindert böse Überraschungen am Einreiseschalter und teure Arztbesuche vor Ort.
Hepatitis A, FSME, Tollwut, oft sind es genau diese drei, die im letzten Moment fehlen. Der Weg dahin ist kein Aufwand. Er ist meistens ein einziger Termin, der mit gutem Gefühl endet.
Häufig gestellte Fragen!
Das hängt von Ihrem Reiseziel, der Reisedauer und Ihren geplanten Aktivitäten ab. Basisimpfungen sollten aktuell sein, zusätzliche Reiseimpfungen klärt eine reisemedizinische Beratung individuell ab.
Mindestens sechs Wochen vor Abreise, bei Impfserien mit mehreren Dosen besser früher. Wer zwei bis drei Monate Vorlauf einplant, hat alle Optionen offen.
In bestimmten Risikogebieten, besonders in Bayern und Baden-Württemberg, ja. Aktuelle Risikokarten des RKI zeigen genau, welche Regionen betroffen sind.
Für die meisten Fernreiseziele in Asien wird Hepatitis A empfohlen. Die genaue Einschätzung erfolgt individuell in der reisemedizinischen Beratung.
Kinder sollten vollständige Standardimpfungen haben und je nach Reiseziel zusätzlich beim Kinderarzt beraten werden. Früh planen lohnt sich, da nicht alle Impfungen in jedem Alter zugelassen sind.
