Der zweite Urlaubstag beginnt entspannt. Das Frühstücksbuffet ist reich gedeckt, später geht es an den Strand. Am Abend machen sich jedoch plötzlich Bauchkrämpfe bemerkbar. Wenige Stunden später folgen Durchfall und Übelkeit.
Viele Reisende kennen diese Situation und denken sofort an ein Antibiotikum, doch genau hier hat sich in den vergangenen Jahren etwas verändert.
Antibiotikaresistente Bakterien nehmen weltweit zu. Das betrifft nicht nur Krankenhäuser, sondern auch Reiseziele rund um den Globus. Wer während einer Reise unnötig Antibiotika einnimmt oder sich mit resistenten Darmbakterien besiedelt, trägt möglicherweise unbemerkt zur weiteren Verbreitung dieser Erreger bei. Gleichzeitig wirken einige Antibiotika gegen bestimmte Krankheitserreger heute deutlich schlechter als noch vor wenigen Jahren.
Die meisten Fälle von Reisedurchfall lassen sich dennoch ohne Antibiotika behandeln. Entscheidend ist zu wissen, wann Geduld ausreicht und wann ärztliche Hilfe notwendig wird.

Was hat sich bei Reisedurchfall verändert?
Reisedurchfall gehört weiterhin zu den häufigsten Gesundheitsproblemen im Urlaub. Je nach Reiseziel erkrankt ein erheblicher Teil der Reisenden an einer akuten Magen-Darm-Infektion.
Verantwortlich sind meist Bakterien wie Escherichia coli, Campylobacter, Shigella oder Salmonella, daneben kommen auch Viren und Parasiten infrage.
Neu ist jedoch der weltweite Anstieg antibiotikaresistenter Erreger. Einige Darmbakterien bilden sogenannte ESBL-Enzyme, kurz für Extended-Spectrum-Beta-Laktamasen. Diese Enzyme machen wichtige Antibiotika, darunter viele Penicilline und Cephalosporine, unwirksam.
Für Betroffene bedeutet das nicht automatisch eine schwerere Erkrankung, doch falls tatsächlich eine behandlungsbedürftige Infektion entsteht, kann die Therapie deutlich komplizierter werden.
Viele Reisende bemerken davon zunächst nichts. Sie können resistente Darmbakterien nach der Rückkehr vorübergehend im Darm tragen, ohne krank zu sein. Fachleute sprechen von einer Kolonisation. Erst wenn diese Keime später eine Infektion verursachen oder an andere Menschen weitergegeben werden, kann daraus ein Problem entstehen.
Das Risiko steigt unter anderem nach einer Reisediarrhö und durch den Einsatz von Antibiotika während der Reise.
Warum unnötige Antibiotika heute problematischer sind
Noch vor einigen Jahren wurden Antibiotika deutlich großzügiger gegen Reisedurchfall eingesetzt. Heute empfehlen internationale Leitlinien einen deutlich zurückhaltenderen Umgang.
Der Grund ist einfach. Die meisten Durchfallerkrankungen heilen auch ohne Antibiotika aus. Gleichzeitig erhöhen Antibiotika das Risiko für Nebenwirkungen, verändern die natürliche Darmflora und fördern die Besiedlung mit resistenten Keimen. Dadurch können spätere Infektionen schwieriger behandelbar werden.
Wann Antibiotika tatsächlich infrage kommen
Antibiotika sind kein Standardmittel gegen Reisedurchfall. Sie kommen vor allem bei schweren bakteriellen Infektionen infrage, beispielsweise wenn hohes Fieber auftritt, Blut im Stuhl vorhanden ist, starke Beschwerden den Alltag unmöglich machen, bestimmte Vorerkrankungen bestehen oder Ärztinnen und Ärzte einen schweren bakteriellen Verlauf vermuten.
Welche Wirkstoffe geeignet sind, hängt zunehmend vom Reiseland und den dort vorkommenden Resistenzen ab. Fluorchinolone wie Ciprofloxacin galten lange als Standard. In vielen Regionen haben jedoch resistente Campylobacter- und Shigella-Stämme zugenommen.
Deshalb empfehlen Leitlinien heute häufig andere Antibiotika, beispielsweise Azithromycin, wenn eine antibiotische Behandlung überhaupt erforderlich ist. Die Auswahl sollte immer individuell erfolgen.
| Situation | Meist kein Antibiotikum nötig | Ärztliche Beurteilung sinnvoll |
| Wenige wässrige Durchfälle ohne Fieber | ✓ | |
| Leichte Beschwerden, normale Flüssigkeitsaufnahme möglich | ✓ | |
| Blut im Stuhl | ✓ | |
| Hohes Fieber | ✓ | |
| Starke Austrocknung | ✓ | |
| Schwere Vorerkrankungen oder Immunschwäche | ✓ |
Die wichtigste Behandlung beginnt nicht mit Medikamenten
Während viele Menschen zuerst an Tabletten denken, ist etwas anderes deutlich wichtiger: Flüssigkeit ersetzen. Durch häufigen Durchfall verliert der Körper Wasser und Mineralstoffe. Dieser Flüssigkeitsverlust kann insbesondere bei Kindern, älteren Menschen und chronisch Kranken gefährlich werden.
Geeignet sind ausreichend Wasser aus sicheren Quellen, orale Rehydratationslösungen aus der Apotheke sowie bei Bedarf klare Brühen oder geeignete Elektrolytlösungen. Erst danach stellt sich die Frage nach weiteren Medikamenten.
So senken Sie das Risiko bereits vor dem ersten Urlaubstag
Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Mit einigen einfachen Maßnahmen lässt sich das Risiko jedoch deutlich reduzieren.
- Trinken Sie bevorzugt abgefülltes oder abgekochtes Wasser
- Vermeiden Sie Eiswürfel, wenn deren Herkunft unklar ist
- Essen Sie gut durchgegarte Speisen möglichst heiß
- Schälen Sie Obst nach Möglichkeit selbst
- Waschen oder desinfizieren Sie regelmäßig Ihre Hände
- Verzichten Sie auf unnötige Antibiotika zur Vorbeugung. Diese werden heute für die meisten Reisenden ausdrücklich nicht empfohlen
Vielleicht kennen Sie die Situation. Nach einem langen Ausflug lockt ein Straßenstand mit frisch geschnittenem Obst. Es wirkt appetitlich und ist angenehm gekühlt. Ob das verwendete Wasser jedoch hygienisch war oder wie lange die Früchte bereits offen lagen, lässt sich kaum erkennen.
Gerade solche kleinen Entscheidungen beeinflussen das Infektionsrisiko oft stärker als spektakuläre Abenteuer.
Was passiert nach der Rückkehr?
Nicht jede Reise endet mit der Heimkehr. Wer im Urlaub eine bakterielle Darminfektion durchgemacht hat, kann resistente Darmbakterien noch Wochen oder Monate im Darm tragen, ohne Beschwerden zu bemerken.
Fachleute sprechen von einer vorübergehenden Kolonisation. Die Bakterien sind vorhanden, verursachen aber keine Erkrankung, und bei den meisten Menschen verschwinden sie mit der Zeit wieder von selbst.
Gleichzeitig können sie jedoch, insbesondere im Krankenhaus oder bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem, eine Rolle spielen. Deshalb gilt die Vermeidung unnötiger Antibiotika inzwischen als wichtiger Baustein im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen.
Für die meisten Urlauber hat eine solche Besiedlung keine unmittelbaren Folgen. Sie zeigt jedoch, wie eng Reisemedizin und globale Gesundheit inzwischen miteinander verbunden sind.
Welche Medikamente gehören wirklich in die Reiseapotheke?
Eine gut zusammengestellte Reiseapotheke kann Beschwerden lindern. Sie ersetzt jedoch keine ärztliche Untersuchung, wenn Warnzeichen auftreten.
| Medikament oder Hilfsmittel | Wofür geeignet? | Wichtiger Hinweis |
| Orale Rehydratationslösung | Ausgleich von Flüssigkeits- und Elektrolytverlust | Besonders wichtig bei Kindern und älteren Menschen |
| Loperamid | Kurzfristige Linderung bei unkompliziertem Durchfall | Nicht bei Fieber oder Blut im Stuhl anwenden |
| Händedesinfektionsmittel | Ergänzende Hygiene unterwegs | Händewaschen bleibt die wirksamste Maßnahme |
| Fieberthermometer | Einschätzung des Krankheitsverlaufs | Hilft bei der Entscheidung über einen Arztbesuch |
| Persönliche Dauermedikamente | Fortführung der eigenen Behandlung | Ausreichende Menge in Originalverpackung mitnehmen |
Ein Antibiotikum gehört heute nicht mehr grundsätzlich in jede Reiseapotheke. Ob eine Mitnahme sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Reiseziel, bestehenden Erkrankungen und dem individuellen Risiko ab. Diese Entscheidung sollte vor der Reise ärztlich besprochen werden.
Wann sollten Sie unterwegs ärztliche Hilfe suchen?
Die meisten Durchfallerkrankungen bessern sich innerhalb weniger Tage. Bestimmte Warnzeichen sprechen jedoch dafür, dass eine ärztliche Untersuchung notwendig ist: Blut oder Schleim im Stuhl, hohes oder anhaltendes Fieber, starke Bauchschmerzen, Anzeichen einer Austrocknung wie Schwindel, Verwirrtheit oder kaum noch Urin, Durchfall länger als drei bis fünf Tage ohne Besserung sowie Beschwerden bei Säuglingen, älteren Menschen oder Personen mit geschwächtem Immunsystem.
Suchen Sie möglichst zeitnah medizinische Hilfe, wenn Sie Flüssigkeit nicht mehr bei sich behalten können, Kreislaufprobleme auftreten oder der Durchfall trotz ausreichender Flüssigkeitszufuhr deutlich zunimmt. Tritt nach einer Reise aus tropischen Regionen zusätzlich hohes Fieber auf, kommen auch andere Infektionskrankheiten infrage, die rasch abgeklärt werden sollten.
Warum Prävention heute wichtiger ist als früher
Früher lag der Schwerpunkt darauf, Reisedurchfall möglichst schnell zu behandeln. Heute beginnt der Schutz bereits deutlich früher.
Jede vermiedene Infektion bedeutet weniger unnötige Antibiotika, ein geringeres Risiko für resistente Darmkeime, weniger Nebenwirkungen und einen Beitrag zum verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika.
Genau deshalb betonen die Weltgesundheitsorganisation, die US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention und zahlreiche Fachgesellschaften heute Prävention und Antibiotic Stewardship, also den gezielten und zurückhaltenden Einsatz von Antibiotika.

Fazit
Reisedurchfall gehört weiterhin zu den häufigsten Erkrankungen im Urlaub. Neu ist jedoch, dass antibiotikaresistente Bakterien weltweit zunehmen und den Umgang mit diesen Infektionen verändern. Für die meisten Reisenden bedeutet das vor allem eines: Antibiotika sind heute seltener notwendig als viele vermuten.
Wer auf gute Hygiene achtet, ausreichend trinkt und Warnzeichen kennt, kann die meisten Durchfallerkrankungen gut überstehen. Treten jedoch Blut im Stuhl, hohes Fieber oder deutliche Zeichen einer Austrocknung auf, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.
Eine sorgfältige Reisevorbereitung hilft dabei, gesund in den Urlaub zu starten. Dazu gehören auch ein aktueller Impfschutz, eine sinnvoll zusammengestellte Reiseapotheke und Maßnahmen gegen Jetlag, die den Körper zusätzlich entlasten.
Häufig gestellte Fragen!
Ja. Die meisten Fälle bessern sich innerhalb von wenigen Tagen ohne Antibiotika. Entscheidend sind ausreichende Flüssigkeitszufuhr und der Ausgleich von Elektrolyten.
Nein. Viele Erkrankungen werden durch Viren verursacht oder verlaufen so mild, dass Antibiotika keinen zusätzlichen Nutzen bringen. Sie kommen nur bei bestimmten schweren bakteriellen Infektionen infrage.
werden. Problematisch kann es werden, wenn später eine Infektion entsteht oder die Keime weitergegeben werden.
Nein. Das Risiko lässt sich jedoch durch sorgfältige Lebensmittel- und Trinkwasserhygiene sowie konsequentes Händewaschen deutlich senken.
Nein. Internationale Leitlinien empfehlen eine vorbeugende Einnahme nur in seltenen Ausnahmefällen bei besonders gefährdeten Personen.
