Der Himmel wird dunkel, die ersten Böen wirbeln Blätter über den Balkon und wenig später beginnt das Gewitter. Für Menschen mit einer Pollenallergie oder einem allergischen Asthma kann genau diese Wetterlage problematisch werden.
Fachleute sprechen vom Gewitterasthma, wenn im Zusammenhang mit einem Gewitter plötzlich starke allergische Beschwerden oder Asthmaanfälle auftreten.
Im Spätsommer ist das weiterhin möglich, solange relevante Pollen oder Pilzsporen in der Luft sind.
Warum ein Gewitter das Asthma plötzlich verschlimmern kann
Normaler Regen wäscht Pollen häufig aus der Luft. Warum kann ein Gewitter dann das Gegenteil bewirken? Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Allergenen, Feuchtigkeit und kräftigen Luftströmungen.
Pollen und Pilzsporen können vor einer Gewitterfront aufgewirbelt werden. Feuchtigkeit kann Pollenkörner zum Quellen und Aufbrechen bringen. Dabei entstehen kleinere allergenhaltige Partikel, die tiefer in die Atemwege gelangen können.
Starke Fallwinde transportieren diese Partikel anschließend in Bodennähe. Wer sensibilisiert ist und draußen die warme Luft vor dem Regen einatmet, kann dadurch innerhalb kurzer Zeit einer hohen Allergenkonzentration ausgesetzt sein.
Prüfen Sie an schwülen Tagen deshalb neben der Wettervorhersage auch den Pollenflug. Wenn beides zusammenkommt, verschieben Sie den Abendspaziergang besser.

Ist der August wirklich die gefährlichste Zeit für Gewitterasthma?
Die zugespitzte Behauptung, der August berge grundsätzlich das höchste Asthmarisiko des Jahres, lässt sich für Deutschland wissenschaftlich nicht belegen. Gewitterasthma ist hier bislang selten und kann während verschiedener Abschnitte der Pollensaison auftreten.
Warum verdient der Spätsommer trotzdem Aufmerksamkeit? Gräser und Beifuß können bis Ende August Pollen freisetzen. Ambrosia blüht später und kann die allergologisch relevante Saison zusätzlich verlängern.
Auch Pilzsporen spielen möglicherweise eine Rolle. Eine systematische Übersichtsarbeit fand in neun von zehn untersuchten Studien einen Zusammenhang zwischen Pilzen und Gewitterasthma. Die Datenlage war allerdings heterogen und erlaubte keine Metaanalyse.
Verlassen Sie sich deshalb weniger auf einen bestimmten Kalendermonat. Entscheidend ist die konkrete Kombination aus Gewitterlage, vorhandenen Aeroallergenen und Ihrer persönlichen Sensibilisierung.
Sie erkennen Ihre persönliche Risikolage an wenigen Punkten
Wer muss bei einer Gewitterfront besonders aufpassen? Ein erhöhtes Risiko besteht vor allem bei einer Pollenallergie, einer allergischen Rhinitis oder einem allergischen Asthma. Auch Menschen ohne bisher diagnostiziertes Asthma können unter bestimmten Bedingungen erstmals asthmatische Beschwerden entwickeln.
Eine Person mit Heuschnupfen sitzt beispielsweise im August noch auf der Terrasse. Der Wind frischt auf, die Servietten rutschen über den Tisch. Kurz darauf beginnen Husten und ein Engegefühl in der Brust.
Warten Sie in einer solchen Situation nicht darauf, ob das Gewitter näher kommt. Gehen Sie bei einer entsprechenden Risikokonstellation frühzeitig hinein und schließen Sie die Fenster.
| Ihre Situation | Sinnvolle Vorbereitung |
| Pollenallergie und Gewitterwarnung | Pollenflug zusätzlich prüfen |
| Allergisches Asthma | Verordnetes Bedarfsmedikament griffbereit halten |
| Aufenthalt im Freien geplant | Aktivität rechtzeitig nach drinnen verlegen |
| Erste Atembeschwerden | Nach Ihrem Asthma Aktionsplan handeln |
| Beschwerden werden rasch stärker | Medizinische Hilfe veranlassen |
So bereiten Sie sich auf eine Gewitterfront vor
Was können Sie tun, wenn für den Nachmittag Gewitter angekündigt sind? Ein kurzer Check vor dem Verlassen des Hauses reicht oft, um unnötige Exposition zu vermeiden.
- Prüfen Sie die lokale Gewitterwarnung und den aktuellen Pollenflug.
- Planen Sie Sport und längere Wege möglichst vor oder nach der kritischen Wetterlage.
- Gehen Sie bei herannahendem Gewitter rechtzeitig in ein Gebäude.
- Schließen Sie Fenster und Türen während der Gewitterfront.
- Halten Sie Ihre verordneten Asthmamedikamente entsprechend Ihrem Behandlungsplan verfügbar.
Der Allergieinformationsdienst empfiehlt Menschen mit starkem allergischem Asthma oder Heuschnupfen, sich während eines Gewitters möglichst in geschlossenen Räumen aufzuhalten. Die Beschwerden können bereits etwa 20 bis 30 Minuten nach Beginn eines Gewitters auftreten.
Falls Sie einen individuellen Asthma Aktionsplan besitzen, schauen Sie ihn vor der Gewittersaison noch einmal durch. Die kleine Karte im Medikamentenschrank hilft mehr, wenn Sie wissen, was darauf steht.
Warum auch Menschen mit Heuschnupfen aufmerksam bleiben sollten
Sie haben nur Heuschnupfen und noch nie einen Asthmaanfall erlebt. Können Sie das Thema dann ignorieren? Leider nicht vollständig.
Berichte über Gewitterasthma zeigen, dass auch Menschen mit einer saisonalen allergischen Rhinitis erstmals asthmatische Beschwerden entwickeln können. Die individuelle Wahrscheinlichkeit lässt sich daraus allerdings nicht zuverlässig vorhersagen.
Nehmen Sie deshalb neue Beschwerden wie pfeifende Atmung, deutliche Luftnot oder ein Engegefühl im Brustkorb ernst. Treten sie wiederholt bei Pollenbelastung auf, sollten Sie dies ärztlich abklären lassen.
Ein weiterer praktischer Punkt betrifft die Asthmakontrolle. Asthma and Lung UK nennt schlecht kontrolliertes Asthma als einen Risikofaktor für Beschwerden bei Gewittern.
Wenn Sie Ihr Bedarfsmedikament häufiger benötigen als vereinbart oder nachts wegen Asthmabeschwerden aufwachen, sprechen Sie deshalb unabhängig vom Wetter mit Ihrer behandelnden Praxis.
Wann wird die Atemnot zum medizinischen Notfall?
Ein leichter Niesreiz während eines Gewitters ist etwas anderes als eine rasch zunehmende Atemnot. Wann sollten Sie sofort reagieren? Bei einem schweren Asthmaanfall zählt der individuelle Notfallplan.
Setzen Sie Ihr verordnetes Bedarfsmedikament so ein, wie es Ihnen ärztlich erklärt wurde. Bleibt die Atemnot stark, verschlechtert sich Ihr Zustand oder hilft die verordnete Notfallbehandlung nicht ausreichend, benötigen Sie dringend medizinische Hilfe.
Gewitterasthma ist selten. Das Ereignis von Melbourne im Jahr 2016 zeigt jedoch, dass solche Wetterlagen bei ungünstiger Kombination aus Gewitter und hoher Allergenbelastung sehr viele Menschen gleichzeitig treffen können. Tausende suchten damals wegen Atemwegsbeschwerden medizinische Hilfe.
Für Ihren Alltag bedeutet das keine ständige Alarmbereitschaft. Eine Gewitterwarnung, der Pollenflug und ein griffbereites Asthmamedikament sind die wesentlich nützlicheren Informationen.

Fazit: Beim Gewitterasthma zählt die Wetterlage mehr als der Monat
Der Spätsommer kann Bedingungen bieten, unter denen ein Gewitterasthma auftritt. Für die Aussage, dass August-Gewitter generell das höchste Asthmarisiko des gesamten Jahres verursachen, fehlt jedoch eine belastbare Grundlage.
Achten Sie deshalb auf die konkrete Situation. Treffen ein Gewitter und eine relevante Allergenbelastung zusammen, bleiben Sie bei einer entsprechenden Allergie besser drinnen und halten Ihre verordneten Medikamente bereit. Das dauert kaum länger als der Blick aus dem Fenster.
Häufig gestellte Fragen!
Gewitterasthma bezeichnet plötzlich auftretende asthmatische Beschwerden im zeitlichen Zusammenhang mit einem Gewitter während einer relevanten Allergensaison. Dabei können kleine allergenhaltige Partikel tief in die Atemwege gelangen.
Bei empfindlichen Menschen können Gewitter Pollen und andere Aeroallergene aufwirbeln und konzentrieren. Sind Sie entsprechend sensibilisiert, können dadurch Husten, pfeifende Atmung oder Atemnot ausgelöst werden.
Das Risiko ist insbesondere bei einer Pollenallergie, einer allergischen Rhinitis oder einem allergischen Asthma erhöht. Auch bisher nicht diagnostiziertes Asthma kann bei einem solchen Ereignis erstmals auffallen.
Achten Sie während der Pollensaison auf Gewitterwarnungen und Pollenflugvorhersagen. Bei einer entsprechenden Allergie sollten Sie während einer Gewitterfront möglichst drinnen bleiben und die Fenster geschlossen halten.
Ja. Gewitterbedingte Asthmaanfälle wurden auch bei Menschen mit einer saisonalen allergischen Rhinitis beschrieben, die zuvor keine Asthmadiagnose hatten.
