Mittags noch 25 Grad, am nächsten Morgen acht. Im September kann die leichte Jacke innerhalb weniger Stunden wieder wichtig werden. Solche Temperaturwechsel können sich auch beim Blutdruck bemerkbar machen, besonders bei Menschen mit Bluthochdruck.
Die Behauptung, Wetterumschwünge würden den Blutdruck grundsätzlich stärker fordern als der Winter, geht allerdings über die bisherige Evidenz hinaus. Gut belegt sind vor allem höhere Blutdruckwerte bei Kälte und saisonale Schwankungen zwischen Sommer und Winter.
Warum der Blutdruck bei Kälte steigen kann
Sie öffnen morgens die Haustür und ziehen die Schultern hoch. Über Nacht ist es deutlich kühler geworden. Der Körper reagiert auf niedrige Temperaturen unter anderem mit einer Verengung oberflächlicher Blutgefäße. Dadurch kann der Blutdruck steigen.
Wie deutlich ist dieser Zusammenhang? Eine Übersichtsarbeit von Narita und Kollegen beschreibt höhere Blutdruckwerte am Tag im Winter und niedrigere Werte bei höheren Außentemperaturen. Als wesentlicher Faktor gilt die Kälte selbst.
Eine weitere Übersichtsarbeit erklärt den Effekt unter anderem durch eine stärkere Aktivierung des sympathischen Nervensystems.
Dabei handelt es sich um den Teil des Nervensystems, der den Körper unter anderem auf körperliche Anforderungen vorbereitet.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder kühle Morgen Ihren Blutdruck gefährlich ansteigen lässt. Alter und bestehender Bluthochdruck können beeinflussen, wie ausgeprägt die Reaktion ausfällt.

Was schnelle Temperaturwechsel mit Ihren Werten machen können
Am Montag steht das Thermometer noch neben der offenen Balkontür. Zwei Tage später läuft morgens erstmals wieder die Heizung. Genau solche kurzen Wetterwechsel machen den September interessant.
Sind schnelle Schwankungen belastender als gleichmäßige Kälte? Dafür gibt es erste Hinweise, aber keine ausreichende Grundlage für diese pauschale Aussage. Eine große Untersuchung aus China analysierte Daten von 397.173 Menschen und setzte kurzfristige Temperaturschwankungen mit dem Blutdruck in Beziehung.
Bei Menschen mit Bluthochdruck in einer subtropischen Klimazone war eine Zunahme der täglichen Temperaturvariabilität um 2,28 Grad Celsius über mehrere Tage mit einem durchschnittlichen Anstieg des systolischen Blutdrucks um 0,41 mmHg verbunden. In anderen Gruppen und Klimazonen unterschieden sich die Ergebnisse.
Das ist ein messbarer Zusammenhang, aber kein Beleg dafür, dass ein wechselhafter September grundsätzlich gefährlicher ist als der Winter. Gerade die Kälte des Winters ist als Ursache höherer Blutdruckwerte wesentlich besser dokumentiert.
So prüfen Sie Ihren Blutdruck während eines Wetterwechsels
Wenn Ihr Blutdruck behandelt wird, kann ein kleines Messprotokoll mehr bringen als der Blick auf die Wetter-App. Ein einzelner höherer Wert nach einer kalten Nacht sagt wenig aus. Eine Reihe vergleichbarer Messungen ist aussagekräftiger.
Wie gehen Sie vor? Die aktuellen ESC-Leitlinien legen großen Wert auf Blutdruckmessungen außerhalb der Arztpraxis. Auch die Forschung zu saisonalen Schwankungen empfiehlt regelmäßige Messungen zu Hause.
Für einige Tage können Sie es so versuchen:
- Messen Sie morgens möglichst zur gleichen Zeit.
- Setzen Sie sich vorher einige Minuten ruhig hin.
- Verwenden Sie immer denselben Arm.
- Notieren Sie die Werte direkt.
- Ergänzen Sie auffällige Temperaturwechsel oder Beschwerden.
Entscheidend ist das Muster. Steigen Ihre Werte mit kühlerem Wetter wiederholt deutlich an, können Sie das Protokoll beim nächsten Arzttermin zeigen.
Warum Ihre Wohnung beim Blutdruck eine Rolle spielt
Der Wecker klingelt, die Füße berühren den kalten Boden und im Bad ist das Fenster noch gekippt. Außentemperaturen erzählen nur einen Teil der Geschichte. Auch die Temperatur in Innenräumen kann für die individuelle Kältebelastung relevant sein.
Was lässt sich praktisch verändern? Vermeiden Sie morgens einen unnötig starken Kältereiz. Ein ausreichend temperierter Wohnraum und passende Kleidung sind einfache Maßnahmen.
Eine internationale Konsenserklärung zur saisonalen Blutdruckschwankung empfiehlt ausdrücklich, Umweltbedingungen wie die Raumtemperatur bei der Behandlung von Bluthochdruck zu berücksichtigen.
Gleichzeitig sollten saisonale Veränderungen durch wiederholte Messungen bestätigt werden.
| Situation | Praktischer Versuch |
| Kaltes Schlafzimmer | Vor dem Aufstehen für angenehme Raumtemperatur sorgen |
| Kühler Morgen | Warm anziehen bevor Sie hinausgehen |
| Auffälliger Messwert | Nach korrekter Ruhephase erneut messen |
| Wechselhaftes Wetter | Werte einige Tage dokumentieren |
| Wiederholt höhere Werte | Messprotokoll ärztlich besprechen |
Wann die Blutdrucktablette im Herbst überprüft werden sollte
Im Juli lagen die Werte zuverlässig im Zielbereich. Ende September zeigt das Messgerät plötzlich häufiger höhere Zahlen. Sollte jetzt die Dosis verändert werden?
Nicht auf eigene Faust. Saisonale Blutdruckveränderungen sind zwar bekannt, doch zunächst sollte geklärt werden, ob tatsächlich ein wiederkehrendes Muster vorliegt. Die europäische Konsenserklärung empfiehlt dafür wiederholte Messungen in der Praxis und möglichst auch Messungen zu Hause oder eine Langzeitmessung.
Auch andere Ursachen kommen infrage. Vielleicht wurde eine Tablette mehrfach vergessen oder der Blutdruck war schon vorher nicht optimal eingestellt.
Die 2024 veröffentlichten ESC-Leitlinien betonen ebenfalls die Bedeutung korrekter Blutdruckmessungen und der Kontrolle außerhalb der Arztpraxis. Eine Therapieentscheidung sollte sich deshalb auf verlässliche Messwerte stützen.

Wann ein hoher Blutdruck mehr als eine Wetterfrage ist
Draußen sind es plötzlich zehn Grad weniger und das Messgerät zeigt einen ungewöhnlich hohen Wert. Da liegt die Erklärung durch das Wetter nahe. Trotzdem sollte eine auffällige Messung nicht automatisch auf die Temperatur geschoben werden.
Was ist jetzt sinnvoll? Wiederholen Sie die Messung unter korrekten Bedingungen. Bleiben die Werte wiederholt deutlich höher als sonst, wenden Sie sich an Ihre Arztpraxis.
Bei sehr hohen Blutdruckwerten zusammen mit akuten Beschwerden ist die Situation anders. Brustschmerzen oder schwere Atemnot sowie plötzlich auftretende neurologische Symptome brauchen sofortige medizinische Abklärung.
Wetter kann den Blutdruck beeinflussen. Es erklärt jedoch nicht jeden Anstieg. Gerade bei bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist diese Unterscheidung wichtig.
Fazit: Im September zählt das Muster Ihrer Blutdruckwerte
Der Blutdruck reagiert auf die Umgebung. Kältere Temperaturen sind mit höheren Werten verbunden und bei Menschen mit Bluthochdruck kann sich die Einstellung im Jahresverlauf verändern.
Auch kurzfristige Temperaturschwankungen werden inzwischen untersucht. Daraus lässt sich jedoch noch nicht ableiten, dass die Temperatur-Achterbahn im September den Blutdruck stärker belastet als gleichmäßige Winterkälte. Der Arbeitstitel wäre an dieser Stelle wissenschaftlich zu eindeutig.
Für Ihren Alltag ist eine andere Frage hilfreicher. Verändern sich Ihre eigenen Werte, wenn die Temperaturen fallen? Ein sauber geführtes Blutdruckprotokoll kann darauf eine wesentlich bessere Antwort geben als die Wettervorhersage.
Häufig gestellte Fragen!
Ja, bei vielen Menschen liegen die Blutdruckwerte bei niedrigen Temperaturen höher. Besonders der Blutdruck am Tag steigt im Winter häufig an.
Kurzfristige Temperaturschwankungen wurden mit Veränderungen des Blutdrucks in Verbindung gebracht. Die Stärke des Effekts unterscheidet sich jedoch zwischen Bevölkerungsgruppen und Klimazonen.
Im Durchschnitt ist besonders der Blutdruck am Tag im Winter höher. Die saisonale Veränderung wird wesentlich durch niedrigere Temperaturen beeinflusst.
Eine Anpassung kann bei einzelnen behandelten Menschen erforderlich sein, sollte aber nur nach ärztlicher Beurteilung erfolgen. Verändern Sie Ihre Medikamente nicht selbstständig aufgrund des Wetters.
Messen Sie unter möglichst vergleichbaren Bedingungen und dokumentieren Sie die Werte über mehrere Tage. Wiederholt auffällige Veränderungen können Sie anschließend mit Ihrer Arztpraxis besprechen.
