Weihnachten riecht nach Zimt, Tanne und Kerzen – für viele Menschen ein Inbegriff von Geborgenheit. Für Asthmatikerinnen und Asthmatiker kann diese Duftkulisse jedoch zur Belastungsprobe werden.
Duftkerzen, Räucherstäbchen und künstliche Aromen setzen flüchtige organische Verbindungen (VOCs) und Feinstaub frei, die Atemwege reizen und Asthmaanfälle auslösen können. Auch der Weihnachtsbaum selbst – ob echt oder künstlich – spielt eine Rolle für die Raumluftqualität.
Doch mit einfachen Strategien lässt sich das Fest auch für empfindliche Lungen sicher gestalten.

Warum weihnachtliche Düfte die Bronchien reizen
Viele Duftprodukte enthalten Terpene, Formaldehyd oder synthetische Aromastoffe. Beim Erhitzen – etwa durch Kerzenflamme oder Räucherwerk – entstehen VOC-Gemische, die Schleimhäute reizen.
Diese Substanzen fördern Entzündungsprozesse in der Bronchialschleimhaut und können bei empfindlichen Personen Bronchokonstriktionen auslösen.
Eine Studie der Universität Wien (2022) zeigte, dass bereits kurze Exposition mit Duftkerzenrauch die Lungenfunktion (FEV1) bei Asthmatikerinnen im Durchschnitt um 7 % senken kann.
Was bedeutet das im Alltag? Je stärker ein Raum „nach Weihnachten“ riecht, desto höher ist meist die VOC-Belastung.
Die unterschätzte Partikellast
Kerzen aus Paraffin oder Billigwachs produzieren bei unvollständiger Verbrennung ultrafeine Partikel, die bis in die Alveolen gelangen. Besonders problematisch sind Ruß, Formaldehyd und Acrolein.
Praxis-Tipp:
- Bienenwachs- oder Stearinkerzen statt Paraffin.
- Flammen kurz ausblasen, wenn Ruß sichtbar wird.
- Keine Duftöle oder Räucherstäbchen in kleinen Räumen.
- Diffusoren nur mit naturreinen Ölen und maximal 30 Minuten betreiben.
Eine Analyse des Umweltbundesamtes (2023) ergab, dass Feinstaubkonzentrationen in Haushalten mit Duftkerzen um das Vierfache höher lagen als in kerzenfreien Räumen.
Ein echter oder ein künstlicher Baum – was ist besser für die Lunge?
Beide Varianten haben ihre Risiken:
| Baumtyp | Mögliche Belastung | Empfehlung |
| Echter Baum | Schimmelsporen, Terpene, Pollenreste | Vorher abduschen, 24 Std. trocknen lassen |
| Künstlicher Baum | VOCs aus PVC, Flammschutzmittel | Vor Gebrauch auslüften, nicht in warmen Räumen lagern |
Was bedeutet das? Ein abgeduschter, luftgetrockneter echter Baum ist meist die bessere Wahl – natürliche, aber kontrollierte Emission.
Lüften, filtern, vorbeugen – die drei Säulen für saubere Luft
- Lüften: Stoßlüften alle 60 Minuten für 5 Minuten – auch bei Frost.
- Filtern: Luftreiniger mit HEPA- und Aktivkohlefilter senken VOC- und Partikelbelastung messbar.
- Vorbeugen: Duftfreie Kerzen, keine Räucherstäbchen, keine Raumsprays.
Eine Untersuchung der European Respiratory Society (2021) zeigte, dass HEPA-Filter in asthmatischen Haushalten die nächtliche Symptomhäufigkeit um 30 % reduzieren konnten.
Praxis-Tipp: Gerät mit CADR-Wert (Clean Air Delivery Rate) > 200 m³/h wählen. Filter monatlich prüfen, jährlich austauschen.
Typische Reizquellen und ihre Alternativen
| Reizquelle | Belastung | Alternative |
| Duftkerzen | VOC, Feinstaub | Bienenwachskerzen ohne Duft |
| Räucherstäbchen | Rauchpartikel | Diffusor mit naturreinem Öl, max. 30 Min. |
| Raumspray | Propan/Butan, Lösungsmittel | Offenes Fenster, Kräuterbündel (Thymian) |
| Künstlicher Baum | VOC, Weichmacher | Echter Baum, vorher abduschen |
| Trockene Heizungsluft | Reizung Schleimhäute | Luftfeuchte 40–50 %, Schalen mit Wasser |
Fallgeschichte: Der Duft, der den Abend verdarb
Markus, 41, Asthmatiker, freute sich auf den ersten Advent. Seine Partnerin zündete mehrere Duftkerzen an – nach kurzer Zeit begann er zu husten, bekam Engegefühl und musste das Spray benutzen.
Später stellte sich heraus: Das Wohnzimmer wies eine VOC-Konzentration von über 1.000 µg/m³ auf, verursacht durch Paraffinkerzen und geschlossene Fenster. Seitdem nutzt das Paar Bienenwachskerzen und lüftet regelmäßig – Beschwerden traten keine mehr auf.
Die Schritt-für-Schritt-Anleitung: So bleibt Ihre Raumluft lungenfreundlich
- Vorbereitung: Baum abduschen, 24 Std. in kühlem Raum trocknen.
- Lichtquellen prüfen: LED-Lichterkette statt Kerze.
- Kerzenwahl: Naturwachs, keine Duftstoffe.
- Raumklima: Luftfeuchte messen, Ziel 40–50 %.
- Luftreinigung: HEPA-Filter auf höchste Stufe nach dem Essen oder Lüften.
Was bedeutet das im Alltag? Lungenfreundliches Weihnachten braucht keine sterile Atmosphäre – nur bewusste Auswahl und regelmäßige Frischluft.

Fazit: Warum echte Atmosphäre kein Duft braucht
Weihnachten lebt von Licht, Nähe und Wärme – nicht vom künstlichen Duft. Für Asthmatikerinnen und Asthmatiker ist saubere Luft der wichtigste Wohlfühlfaktor.
Wer bewusst wählt, wann und womit er Stimmung schafft, schützt die Atemwege und bewahrt sich dennoch die Festlichkeit.
Die Lunge dankt mit ruhiger Atmung – auch unterm Weihnachtsbaum.
Häufig gestellte Fragen!
Nicht verboten, aber riskant – besser Bienenwachs ohne Duft verwenden.
Ja, kurze Stoßlüftungen senken Schadstoffwerte schnell und effektiv.
Ja, 24–48 Stunden in kühlem, gut belüftetem Raum stehen lassen.
Nur naturreine, sparsam dosierte Öle – keine Dauerbeduftung.
Ja, Geräte mit HEPA- und Aktivkohlefilter reduzieren Reizstoffe und Feinstaub nachweislich.
