Die Gräserpollensaison klingt langsam ab und trotzdem jucken plötzlich wieder die Augen. Vielleicht kommt Husten hinzu oder beim Spaziergang fühlt sich die Atmung enger an. Dahinter kann im Spätsommer Ambrosia stecken, eine Pflanze mit besonders allergenen Pollen.
Gerade August und September gehören in Deutschland zu ihrer Hauptpollenflugzeit. Wer Asthma und eine Pollenallergie hat, sollte den unscheinbaren Spätblüher deshalb kennen.
Warum Ambrosia im September noch einmal Beschwerden auslösen kann
Ambrosia artemisiifolia stammt ursprünglich aus Nordamerika. In Deutschland kommt die Pflanze inzwischen in allen Bundesländern vor, wobei die Belastung regional sehr unterschiedlich ausfällt. Größere etablierte Bestände finden sich vor allem in Teilen Ostdeutschlands.
Was macht gerade den Spätsommer relevant? Ambrosia blüht etwa von Juli bis Oktober. Das Umweltbundesamt nennt August und September als Hauptpollenflugzeit in Deutschland. Damit verlängert die Pflanze die Pollensaison in eine Jahreszeit, in der viele Menschen mit Heuschnupfen bereits mit weniger Beschwerden rechnen.
Die Bezeichnung September als pauschal gefährlichster Monat für alle Pollenallergiker wäre allerdings zu weitgehend. Dafür ist die regionale und jährliche Pollenbelastung zu unterschiedlich. Wetter, lokale Pflanzenbestände und sogar der Ferntransport von Pollen aus anderen europäischen Ländern beeinflussen die tatsächliche Belastung.

So erkennen Sie Ambrosia zwischen Beifuß und anderen Wildpflanzen
Am Straßenrand steht eine etwa kniehohe Pflanze mit stark gegliederten Blättern. Auf den ersten Blick erinnert sie an Beifuß. Genau diese Ähnlichkeit macht Ambrosia für Laien schwer erkennbar.
Worauf können Sie achten? Die Blätter der Ambrosia sind doppelt gefiedert. Ihre Oberseite und Unterseite sind grün. Der Stängel ist häufig rötlich und deutlich behaart. Beim ähnlich aussehenden Beifuß fällt dagegen die weißliche bis silbrige Blattunterseite auf.
Ambrosia wächst unter anderem an Straßenrändern, auf Brachen und Baustellen sowie auf Äckern. Auch im Garten kann sie auftauchen. Ambrosiasamen wurden beispielsweise über verunreinigtes Vogelfutter verbreitet. Ein Blick unter die Futterstelle kann deshalb sinnvoll sein.
Haben Sie eine verdächtige Pflanze entdeckt, sollten Sie als Allergiker direkten Kontakt vermeiden. Das Umweltbundesamt empfiehlt bei Pflanzen vor der Blüte Handschuhe. Bei bereits blühender Ambrosia ist zusätzlicher Atemschutz vorgesehen. Menschen mit Ambrosiaallergie sollten die Entfernung besser anderen überlassen.
Warum die Ambrosiapollen für Menschen mit Asthma relevant sind
Ambrosiapollen besitzen ein hohes allergenes Potenzial. Das Umweltbundesamt berichtet, dass bereits geringe Konzentrationen bei sensibilisierten Personen allergische Beschwerden hervorrufen können. Möglich sind Heuschnupfen, gereizte Augen und allergisches Asthma.
Was passiert bei Asthma? Pollen gehören zu den möglichen Auslösern von Asthmabeschwerden. Die aktuelle GINA-Empfehlung nennt Pollen ausdrücklich unter den Allergenen, die Symptome verschlechtern können. Typische Asthmabeschwerden sind pfeifende Atmung, Atemnot und ein Engegefühl im Brustkorb sowie Husten.
Für Menschen mit bekanntem allergischem Asthma ist deshalb die persönliche Reaktion entscheidend. Ein hoher Ambrosiapollenwert bedeutet nicht automatisch, dass jeder Mensch mit Asthma Beschwerden bekommt. Relevant ist vor allem, ob eine entsprechende Sensibilisierung besteht.
Eine deutsche Übersichtsarbeit beschreibt zudem eine Kreuzreaktivität zwischen Ambrosia und Beifuß. Das kann die allergologische Einordnung erschweren. Das spezifische Hauptallergen Amb a 1 kann bei der Diagnostik helfen, eine Ambrosiasensibilisierung genauer zuzuordnen.
Wie schützen Sie Ihre Atemwege an Tagen mit starkem Pollenflug?
Morgens zeigt die Pollenapp eine hohe Belastung. Draußen ist es trocken, das Schlafzimmerfenster steht noch offen. Für sensibilisierte Menschen kann es sinnvoll sein, solche Informationen direkt in die Tagesplanung einzubeziehen.
GINA empfiehlt bei einer bekannten Sensibilisierung, regionale Pollenvorhersagen zu berücksichtigen. Bei besonders hoher Belastung können geschlossene Fenster und Türen sowie ein geringerer Aufenthalt im Freien die Exposition reduzieren. Die Evidenz für einzelne Vermeidungsmaßnahmen ist allerdings begrenzt.
Praktisch kann der Umgang so aussehen:
- Prüfen Sie morgens die regionale Pollenvorhersage.
- Planen Sie längere Aktivitäten im Freien nach der aktuellen Belastung.
- Halten Sie sich an Ihren persönlichen Asthma-Behandlungsplan.
- Achten Sie auf zunehmenden Husten oder ein neues Engegefühl beim Atmen.
- Besprechen Sie wiederkehrende Beschwerden mit Ihrer behandelnden Praxis.
Wenn Sie ein verordnetes Bedarfsmedikament für Asthma verwenden, sollte es entsprechend Ihrem persönlichen Behandlungsplan verfügbar sein. Eine eigenständige Änderung der Asthmatherapie allein wegen der Ambrosiasaison ist dagegen nicht sinnvoll.
Was Beifuß und bestimmte Lebensmittel mit Ambrosia zu tun haben können
Manche Menschen reagieren beim Allergietest sowohl auf Beifuß als auch auf Ambrosia. Dahinter kann eine echte Sensibilisierung gegen beide Pflanzen stecken. Zusätzlich sind Kreuzreaktionen zwischen einzelnen Allergenen möglich.
Und was hat das mit Lebensmitteln zu tun? Bei einer Pollenallergie können Antikörper in bestimmten Fällen ähnliche Eiweißstrukturen in pflanzlichen Lebensmitteln erkennen. Fachleute sprechen vom Pollen-Nahrungsmittel-Syndrom. Eine aktuelle Übersichtsarbeit beschreibt solche Kreuzreaktionen als Folge ähnlicher Allergene in Pollen und Lebensmitteln.
Für Ambrosia sind unter anderem Reaktionen im Zusammenhang mit Melone und Banane beschrieben worden. Das bedeutet keineswegs, dass Menschen mit einer Ambrosiaallergie diese Lebensmittel vorsorglich meiden sollten. Relevant wird eine mögliche Kreuzreaktion erst, wenn nach dem Essen tatsächlich Beschwerden auftreten.
Kribbelt beispielsweise wiederholt der Mund nach einer bestimmten rohen Frucht, gehört diese Beobachtung in die allergologische Anamnese. Pauschale Verbotslisten helfen dagegen wenig und können die Ernährung unnötig einschränken.

Wann aus spätem Heuschnupfen ein Asthmathema wird
Die Nase läuft, die Augen tränen und dann kommt Husten hinzu. Bei einem Menschen mit bekanntem Asthma verdient diese Veränderung Aufmerksamkeit. Pollen können bei sensibilisierten Personen Asthmasymptome auslösen oder bestehende Beschwerden verstärken.
Wann sollten Sie medizinischen Rat suchen? Wenn Atemnot oder pfeifende Atmung neu auftreten, sich bekannte Beschwerden deutlich verstärken oder Sie Ihr Bedarfsmedikament häufiger als üblich benötigen, sollte die Asthmakontrolle ärztlich beurteilt werden.
Auch wiederkehrende Beschwerden ausschließlich im Spätsommer können ein Hinweis sein, der bei einer Allergiediagnostik weiterhilft. Notieren Sie für einige Tage den Zeitpunkt der Symptome und die regionale Pollenbelastung. Ein kleiner Eintrag im Smartphone reicht dafür oft schon.
Bei ausgeprägter Atemnot oder einer raschen Verschlechterung gelten die Maßnahmen Ihres persönlichen Asthma-Notfallplans. Bei einem schweren Asthmaanfall ist unverzüglich medizinische Hilfe erforderlich.
Fazit: Ambrosia verlängert die Pollensaison bis in den Herbst
Wer im September plötzlich wieder typische Pollenbeschwerden entwickelt, sollte Ambrosia als möglichen Auslöser im Blick behalten. Die Pflanze setzt hochallergene Pollen frei und kann bei sensibilisierten Menschen auch Asthmabeschwerden auslösen.
Der September ist dabei nicht pauschal der gefährlichste Monat für alle Menschen mit Pollenallergie. Die Belastung hängt stark von Region und Wetter ab. August und September bilden jedoch die Hauptpollenflugzeit der Ambrosia in Deutschland.
Für Menschen mit Asthma zählt deshalb der persönliche Verlauf. Pollenvorhersage prüfen, die vereinbarte Therapie konsequent anwenden und Veränderungen der Atemwege ernst nehmen. So wird aus dem unscheinbaren Kraut am Straßenrand kein überraschender blinder Fleck im eigenen Asthmamanagement.
Häufig gestellte Fragen!
Ambrosia kann etwa von Juli bis Oktober blühen. Die Hauptpollenflugzeit liegt in Deutschland vor allem im August und September.
Bei entsprechend sensibilisierten Menschen können Ambrosiapollen allergische Atemwegsbeschwerden bis hin zu allergischem Asthma auslösen. Menschen mit bestehendem allergischem Asthma können ebenfalls auf Pollen reagieren.
Typisch sind stark gefiederte Blätter mit grüner Oberseite und Unterseite sowie ein behaarter, häufig rötlicher Stängel. Ambrosia kann leicht mit Beifuß verwechselt werden.
Vor der Blüte kann die Pflanze mit Handschuhen samt Wurzel entfernt werden. Blüht sie bereits, empfiehlt das Umweltbundesamt zusätzlichen Atemschutz und Menschen mit Ambrosiaallergie sollten den Kontakt vermeiden.
Kreuzreaktionen sind unter anderem mit Melone und Banane beschrieben. Ohne Beschwerden besteht jedoch kein Grund, diese Lebensmittel allein wegen einer Ambrosiaallergie vorsorglich wegzulassen.
