Asthma fühlt sich für viele gleich an. Enge in der Brust, pfeifender Atem, ein Spray in der Jackentasche. In der Praxis sieht man jedoch schnell, dass Asthma bei zwei Menschen völlig unterschiedlich laufen kann.
Manche sprechen gut auf inhalative Kortisonpräparate an, andere trotz Therapie kaum. Genau hier setzt ein Trend an, der 2026 spürbar in den Alltag kommt. Die personalisierte Asthma-Diagnostik ordnet Ihre Beschwerden einem Profil zu und eröffnet neue Wege.

Asthma-Phänotypisierung macht aus einem Etikett ein Profil
Asthma ist keine einzelne Krankheit, eher ein Sammelbegriff. Fachleute unterscheiden Phänotypen und Endotypen. Ein Phänotyp beschreibt das sichtbare Muster, etwa häufige Anfälle, Allergien oder nächtliche Beschwerden.
Ein Endotyp beschreibt die Biologie dahinter, also welche Entzündung in den Atemwegen dominiert. Wenn Sie das falsche Entzündungsmuster behandeln, bleiben Symptome und Anfälle oft bestehen.
Die aktuellen internationalen Empfehlungen betonen bereits, dass erhöhte FeNO-Werte oder Bluteosinophile die Diagnose eines Typ-2-Asthmas stützen können.
Notieren Sie für zwei Wochen, wann Ihre Beschwerden auftreten, etwa beim Putzen, beim Sport oder nachts. Nehmen Sie diese Notizen zum Termin mit. Ein Muster hilft bei der Einordnung.
Warum Ihr Spray manchmal enttäuscht und das völlig erklärbar ist
Viele Standardtherapien zielen auf eine typische Entzündung, oft auf Typ-2-Mechanismen. Das passt gut bei eosinophilem oder allergischem Asthma. Bei einem neutrophilen oder gemischten Muster ist das Ansprechen auf inhalative Kortikosteroide häufiger schwächer.
In der Literatur wird diese Form oft als Typ-2-niedrig beschrieben und mit anderer Biologie verknüpft.
Was fällt im Alltag auf? Betroffene berichten eher über dauerhafte Belastungsatemnot, häufige Infekte und zähen Schleim. Manche greifen dann immer häufiger zum Notfallspray. Das lindert kurz, löst aber das Grundproblem nicht.
Zählen Sie Ihre Notfallspray-Anwendungen eine Woche lang. Wenn es mehrmals pro Woche wird, ist das ein starkes Signal für eine Therapieanpassung.
Eosinophilisch, neutrophilisch, gemischt – so unterscheiden sich die Subtypen
Die Einteilung nach Sputumzellen ist seit Jahren bekannt. Eosinophilisch bedeutet mehr Eosinophile, neutrophilisch bedeutet mehr Neutrophile, gemischt bedeutet beides.
In einer Übersicht aus 2025 werden typische Grenzwerte für Sputumprofile beschrieben und zugleich betont, dass diese Muster wechseln können. Was bedeutet das für Sie im Alltag?
Eine einzelne Messung ist hilfreich, ersetzt aber keine Verlaufssicht. Darum kombinieren moderne Ansätze mehrere Marker.
2026 bringt KI in die Praxis – und zwar als Sortierhilfe
Der Durchbruch 2026 liegt weniger in einem einzelnen Gerät. Es ist die Kombination aus großen Datensätzen, neuen Biomarkern und KI-Modellen, die Asthma in Gruppen sortieren.
In einer Studie mit elektronischen Gesundheitsdaten wurden per maschinellem Lernen mehrere klinisch relevante Asthma-Phänotypen identifiziert. Eine aktuelle Übersicht zur Rolle von KI in Asthma beschreibt genau diese Richtung, Patientinnen und Patienten besser zu klassifizieren und Therapien gezielter zu steuern.
Was ist der praktische Nutzen? Die KI ersetzt keine Ärztin und keinen Arzt. Sie hilft, Muster zu erkennen, die im Alltag untergehen. Etwa die Kombination aus häufigen Exazerbationen, bestimmten Laborwerten und Begleiterkrankungen.
Eine 38-jährige Lehrerin sitzt im Sprechzimmer, die Stimme noch heiser vom Husten. Sie hat drei Kortisonstöße im letzten Jahr, obwohl sie ihr Inhalationsgerät korrekt nutzt.
Der FeNO-Wert ist niedrig, die Bluteosinophilen sind unauffällig. Im Gespräch fällt auf, dass sie oft nach Infekten abstürzt und morgens gelblichen Schleim ausspuckt. Nach der Profilklärung wird die Strategie geändert, weniger Fokus auf Typ 2, mehr auf Trigger, Inhalationstechnik, Infektprävention und gezielte Zusatztherapien.
Nach Monaten wird es stabiler. Was nehmen Sie daraus mit? Wenn die Daten nicht zum typischen Muster passen, lohnt sich das Nachfragen.
Neue Biomarker-Tests, die Ihr Asthma-Profil schärfen
In Leitlinien ist bereits klar, welche Marker im Alltag helfen. In Deutschland betont die S2k-Leitlinie 2023 die FeNO-Messung als wichtigen Baustein der fachärztlichen Diagnostik.
Auch die NVL Asthma wurde 2024 aktualisiert und behandelt Diagnostik und Monitoring umfassend. Neben FeNO und Bluteosinophilen rücken Omics-Ansätze und neue Marker für neutrophile Entzündung in den Fokus.
Eine 2024-Arbeit beschreibt Multi-Omics-Endotypen bei schwerem neutrophilem und eosinophilem Asthma. Für 2026 werden zudem neue neutrophile Biomarker-Kandidaten publiziert, die das Profiling weiter verfeinern könnten.
Was bedeutet das für Sie im Alltag? Sie müssen nicht alles testen lassen. Entscheidend ist, dass die Messung zur Frage passt, etwa zur Auswahl eines Biologikums oder zur Klärung einer Steroidresistenz.
Welche Therapie passt zu welchem Muster?
Die Behandlung folgt weiter einem Stufenschema. Neu ist die konsequentere Zuordnung. Typ-2-Muster sprechen häufiger auf inhalative Steroide und bestimmte Biologika an, während bei Typ-2-niedrig eher andere Stellschrauben wichtig werden.
Etwa Triggerkontrolle, Behandlung von Begleiterkrankungen und gegebenenfalls andere Add-on-Strategien. GINA 2025 nennt FeNO und Bluteosinophile als Marker, die Typ-2-Asthma unterstützen können.
| Profilhinweis | Typische Marker | Häufige Therapie-Richtung |
| Eosinophilisch oder Typ 2 | Hoher FeNO, höhere Eosinophile, Allergie | ICS wirksam, Biologika je nach Profil |
| Neutrophilisch oder Typ 2 niedrig | Niedriger FeNO, eher neutrophiles Muster | Triggerkontrolle, Komorbiditäten, individualisierte Add-ons |
| Gemischt | Marker beider Richtungen | Kombination aus Entzündungs- und Triggerstrategie |
Wenn Ihr Asthma trotz hoher Inhalationsdosen unruhig bleibt, kann ein Profilwechsel das entscheidende Puzzlestück sein.
Ihre Checkliste für den nächsten Termin beim Pneumologen
Viele Betroffene gehen mit einer vagen Frage in den Termin. Besser ist ein konkreter Plan. Nehmen Sie diese Punkte mit:
- Wie oft habe ich im letzten Jahr Kortisonstöße gebraucht
- Wie oft nutze ich mein Notfallspray pro Woche
- Welche Werte liegen vor: FeNO, Eosinophile, IgE, Spirometrie
- Gibt es Hinweise auf eine Typ-2-Entzündung
- Passt mein Muster eher zu eosinophilisch, neutrophilisch oder gemischt
- Welche Begleiterkrankungen sollten wir aktiv suchen, etwa Rhinitis, Reflux, Adipositas
Sie sparen also Zeit, weil das Gespräch sofort strukturiert ist.
Sammeln Sie Ihre Inhalatoren und legen Sie sie auf den Küchentisch. Machen Sie ein Foto. Schreiben Sie drei typische Auslöser auf, die Sie sicher kennen. Notieren Sie drei Tage, an denen Sie nachts wach wurden oder den Inhalator brauchten.
Bringen Sie diese Notizen und den Medikamentenplan zum Termin mit. Bitten Sie aktiv um eine Einschätzung, ob ein Biomarker-Test sinnvoll ist.
Deutschland-relevant: Leitlinien und Kostenübernahme greifen ineinander
In Deutschland spielt die Erstattung eine große Rolle, besonders bei Biomarkern wie FeNO. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat 2025 klargestellt, dass die FeNO-Messung im EBM nur zur Indikationsstellung einer Dupilumab-Therapie abrechenbar ist, nicht zur Verlaufskontrolle.
Auch Beschlüsse und Informationen aus dem GKV-Umfeld stützen diese Einordnung.
Was bedeutet das für Sie im Alltag? Manche Praxen messen FeNO gezielt, wenn ein Biologikum geprüft wird. Für Routinekontrollen kann die Finanzierung begrenzt sein. Sprechen Sie offen an, welche Messung medizinisch sinnvoll ist und welche Kosten entstehen könnten.
Fragen Sie nach einer Alternative, wenn FeNO gerade nicht möglich ist, etwa nach Bluteosinophilen, Spirometrie und Symptomscore.

Fazit: Warum Ihr Asthma-Profil 2026 den Unterschied machen kann
Asthma bleibt eine chronische Erkrankung, doch die Steuerung wird präziser. Wenn Sie wissen, ob Ihr Muster eher eosinophilisch, neutrophilisch oder gemischt ist, lässt sich die Therapie besser ausrichten.
KI-gestützte Auswertung und neue Biomarker-Tests beschleunigen diese Einordnung, besonders bei schwerem oder schlecht kontrolliertem Asthma. Für Sie zählt am Ende eine einfache Frage: Passt Ihre Behandlung zu Ihrem Entzündungsprofil?
Häufig gestellte Fragen!
Es ist die Einteilung Ihres Asthmas in ein Muster, das Symptome, Entzündung und Auslöser zusammenführt. Daraus lassen sich Therapieentscheidungen ableiten.
Häufig genutzt werden FeNO, Bluteosinophile und IgE, ergänzt durch Lungenfunktion und Exazerbationsgeschichte. Welche Marker sinnvoll sind, hängt von Ihrer Situation ab.
Ein Grund kann ein Typ-2-niedriges oder neutrophiles Muster sein. Auch eine fehlerhafte Inhalationstechnik oder unbehandelte Begleiterkrankungen können die Kontrolle verschlechtern.
Die Erstattung ist im EBM eingeschränkt und wurde 2025 für die Indikationsstellung einer Dupilumab-Therapie präzisiert. Für Verlaufskontrollen ist die Abrechnung laut KBV nicht vorgesehen.
Oft sprechen Betroffene gut auf inhalative Steroide an, bei schwerem Verlauf kommen Biologika je nach Profil in Frage. Die Auswahl erfolgt anhand von Markern und klinischem Verlauf.
