Todt, Content Editor bei DoktorABC und Biologe, hatte die meistunterzeichnete Petition des Jahres im Deutschen Bundestag eingereicht – gegen geplante Verschärfungen beim Medizinalcannabisgesetz. Seine Botschaft an den Petitionsausschuss war klar: Die geplanten Maßnahmen lösen das Problem nicht. Sie treffen die Falschen.
Was die Bundesregierung plant – und was das bedeutet
Zwei Änderungen stehen im Raum. Erstens soll die Erstverschreibung von medizinischem Cannabis über Telemedizin verboten werden, wer sein erstes Rezept haben möchte, müsste dafür persönlich zum Arzt. Zweitens soll der Versandhandel durch Apotheken verboten werden, das Medikament müsste dann vor Ort abgeholt werden.
Die offizielle Begründung: Es gibt Missbrauch. Manche Anbieter verschreiben Cannabis auf Basis eines Online-Fragebogens, ohne echte medizinische Prüfung.
Todt bestreitet das nicht. Aber seine Antwort darauf ist eindeutig: „Schwarze Schafe bekämpft man mit gezielter Aufsicht und harten Sanktionen, nicht mit Pauschalverboten, die vor allem die Schwächsten treffen.“
Die Frage sollte immer sein: Was sagen die Daten? Was nützt dem Patienten? Nicht: Was ist am einfachsten zu regulieren, um Schlagzeilen zu vermeiden? – Henning Todt
Und wer ist jetzt wirklich betroffen?
Medizinisches Cannabis ist für die meisten Patienten keine erste Wahl. Es ist das Ende einer langen Suche: nach Behandlungen, die nicht geholfen haben. Nach Opiaten, die abhängig machen. Nach Therapien, die irgendwann aufgehört haben zu wirken.
Diese Patienten sind oft chronisch krank, in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt und häufig im ländlichen Raum, wo es ohnehin kaum Ärzte gibt, die Cannabis überhaupt verschreiben. Und die wenigen, die es tun, nehmen oft keine neuen Patienten mehr an.
Todt hat in der Anhörung ein konkretes Beispiel genannt: In Essen – einer Großstadt im Ruhrgebiet mit über 580.000 Einwohnern – gibt es genau eine einzige Apotheke, die medizinisches Cannabis führt.
Und dann ist da noch die körperliche Realität dieser Patienten: „Wenn jemand so krank ist, dass er mit dem Rollator zur Toilette muss, der springt nicht einfach ins Auto und fährt zum Arzt.“
Man muss das nicht zweimal lesen, um zu verstehen, worum es geht.
Der Zugang fällt weg und was passiert dann?
Für viele Patienten gibt es zwei Alternativen: der Rückfall auf Medikamente, die früher nicht geholfen haben. Oder der Schwarzmarkt.
Todt formuliert es direkt: „Das wird passieren. Und die Bundesregierung wird dafür die Verantwortung tragen.“
Das steht fest und das ist noch offen
Einige Punkte sind bereits klar. Die Bundesregierung plant das Verbot der telemedizinischen Erstverschreibung sowie ein Verbot des Apothekenversandhandels. Fast 60.000 Menschen haben gegen diese Änderungen unterschrieben. SPD und Grüne haben die Petition klar unterstützt.
Offen ist hingegen, wie es weitergeht. Die finale Abstimmung im Bundestag steht noch aus, innerhalb der Koalition gibt es erkennbare Differenzen, und Änderungen am aktuellen Entwurf sind durchaus möglich.
Todt glaubt, dass das Gesetz in dieser Form scheitert. Ob er recht behält, entscheidet sich in den nächsten Wochen.
Das können Sie jetzt tun
Prüfen Sie frühzeitig Ihre aktuellen Versorgungswege und klären Sie, wie Ihre Behandlung derzeit organisiert ist. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über mögliche Alternativen, falls sich die Rahmenbedingungen ändern sollten.
Gleichzeitig empfiehlt es sich, die weitere Entwicklung aufmerksam zu verfolgen. Wir informieren Sie regelmäßig über neue Entscheidungen und deren konkrete Auswirkungen auf Ihre Versorgung.
Häufig gestellte Fragen
Diskutiert wird aktuell das Verbot der Erstverschreibung per Telemedizin. Folgekonsultationen und Verlängerungen könnten weiterhin möglich bleiben, aber das ist noch nicht final entschieden.
Aktuell ja. Ein Versandverbot ist geplant, aber noch nicht in Kraft. Wir informieren, sobald sich das ändert.
Das ist bereits jetzt in manchen Regionen ein Problem. DoktorABC unterstützt Sie dabei, weiterhin Zugang zu Ihrer Therapie zu bekommen, auch bei sich ändernder Gesetzeslage.
Informieren Sie sich jetzt über Ihre Optionen, bevor Änderungen in Kraft treten. Und bleiben Sie auf dem Laufenden: Wir berichten weiter, sobald konkrete Beschlüsse fallen.
