Die Nachricht kam für Maike S. ohne Vorwarnung. Die 38-jährige Erzieherin aus Freiburg hatte seit über einem Jahr ihre Therapie mit medizinischem Cannabis laufen, alles digital, alles reibungslos. Dann las sie in einer Patientengruppe, dass sich das bald grundlegend ändern könnte. Seither stellt sie sich dieselbe Frage, die viele Betroffene beschäftigt: Kommt das nächste Rezept noch online an, oder muss sie bald persönlich erscheinen?
Die Antwort ist komplizierter als ein einfaches Ja oder Nein. Was sich sagen lässt: Der Zugang existiert, aber er ist im Wandel.
Wie der Online-Zugang zu medizinischem Cannabis derzeit funktioniert
Wer in Deutschland eine Therapie mit medizinischem Cannabis beginnen oder fortführen möchte, kann das in vielen Fällen noch immer über telemedizinische Plattformen erledigen. Ein Videogespräch mit einem Arzt, ein digitales Rezept, die Lieferung über eine Versandapotheke direkt nach Hause. Für Patientinnen und Patienten wie Maike S. war das lange Zeit eine unkomplizierte Lösung.
Rechtlich ist die Grundlage klar: Seit der Legalisierung von medizinischem Cannabis als verschreibungspflichtigem Arzneimittel und den Änderungen durch das Cannabisgesetz von 2024 dürfen Ärztinnen und Ärzte Rezepte unter bestimmten Voraussetzungen auch ohne persönlichen Erstkontakt ausstellen.
Die Muster-Berufsordnung der Bundesärztekammer erlaubt ausschließliche Fernbehandlungen, wenn sie ärztlich vertretbar sind und die erforderliche Sorgfalt gewahrt bleibt.
Das ist der entscheidende Vorbehalt. Nicht jede telemedizinische Plattform erfüllt diese Anforderungen. Wo ein ausführliches Gespräch stattfindet und eine echte medizinische Einschätzung erfolgt, ist der Weg rechtlich solide. Wo ein Formular die ärztliche Prüfung ersetzt, bewegt man sich in einer Grauzone.

Was die geplanten Änderungen konkret bedeuten
Die politische Diskussion dreht sich vor allem um eine Frage: Soll die Erstverschreibung von medizinischem Cannabis weiterhin per Telemedizin möglich sein? Kritiker, darunter Vertreter der Ärzteschaft, warnen vor Fehlverschreibungen durch unzureichende Diagnosen.
Die Bundesärztekammer hat in ihrer Stellungnahme zum Cannabisgesetz darauf hingewiesen, dass die Qualität der Voruntersuchung zentral ist, unabhängig davon, ob sie digital oder in Präsenz stattfindet.
Auf der anderen Seite stehen Patienten mit echten medizinischen Bedürfnissen, die auf den digitalen Weg angewiesen sind. Wer in einer ländlichen Region lebt, wo spezialisierte Praxen dünn gesät sind, kommt an Telemedizin kaum vorbei. Eine pauschale Einschränkung würde diese Gruppe besonders hart treffen.
Stand heute ist keine vollständige Abschaffung der telemedizinischen Verschreibung beschlossen. Doch Einschränkungen bei der Erstverschreibung werden diskutiert. Wer eine neue Therapie beginnen möchte, sollte sich nicht darauf verlassen, dass der aktuelle Stand dauerhaft gilt.
Für bestehende Patientinnen und Patienten sieht die Lage vorerst stabiler aus. Folgerezepte, bei denen der behandelnde Arzt die Therapie bereits kennt, können in vielen Fällen weiterhin digital ausgestellt werden. Auch Versandapotheken sind derzeit noch zugelassen. Ob das so bleibt, hängt von Entwicklungen ab, die noch offen sind.
Wie Patienten sich jetzt absichern können
Maike S. hat inzwischen gehandelt. Sie hat Kontakt zu ihrer telemedizinischen Praxis aufgenommen und gefragt, wie die weitere Versorgung bei gesetzlichen Änderungen aussehen würde. Sie hat sich parallel nach einer Praxis in Freiburg erkundigt, die Erfahrung mit medizinischem Cannabis hat. Und sie hat ihre medizinischen Unterlagen zusammengestellt, damit ein eventueller Wechsel nicht bei null beginnt.
Das klingt aufwendig. Ist es auch. Aber es ist der vernünftigste Schritt in einer Situation, die sich noch verändern kann.
| Versorgungsweg | Vorteile | Derzeitige Einschränkungen |
|---|---|---|
| Telemedizinische Plattform | Schnell, ortsunabhängig, wenig Aufwand | Qualität variiert stark, Erstverschreibung unter Druck |
| Hausarztpraxis | Persönlicher Kontakt, ganzheitliche Sicht | Nicht alle Praxen verschreiben Cannabis |
| Spezialisierter Facharzt | Hohe Expertise, rechtlich sicher | Lange Wartezeiten, oft nur in Städten |
| Versandapotheke | Bequem, diskret | Abhängig von gesetzlichem Rahmen |
| Lokale Apotheke | Sofort verfügbar | Cannabis nicht überall vorrätig |
Die Tabelle zeigt, was viele Patienten längst wissen: Es gibt keinen Weg ohne Nachteile. Die Frage ist, welche Kombination langfristig am zuverlässigsten trägt.
Was einen seriösen Anbieter auszeichnet
Nicht jede Plattform, die Cannabis-Rezepte online anbietet, arbeitet nach denselben Standards. Der Unterschied ist oft schon am Prozess erkennbar. Ein seriöser Anbieter führt ein echtes Gespräch, fragt nach Vorerkrankungen, Wechselwirkungen und Therapiezielen.
Er stellt das Rezept nicht aus, weil jemand es bestellt hat, sondern weil es medizinisch begründet ist.
Fragen Sie konkret, wie die ärztliche Prüfung abläuft. Wer antwortet und was dabei besprochen wird, ist ein verlässliches Signal für die Qualität des Angebots.
Was für neue Patienten jetzt gilt
Wer noch keine Therapie begonnen hat und über den digitalen Weg einsteigen möchte, sollte den Schritt nicht aufschieben. Nicht aus Panik, sondern aus Pragmatismus. Was heute möglich ist, könnte morgen stärker reguliert sein.
Gleichzeitig lohnt es sich, parallel nach einem Arzt zu suchen, der die Therapie auch in Präsenz begleiten kann. Eine Liste der Praxen in der eigenen Region ist schnell erstellt. Der erste Schritt kostet meist weniger Zeit als befürchtet.
Häufig gestellte Fragen
Ja. Der Zugang über Telemedizin ist derzeit weiterhin möglich, je nach Anbieter und medizinischer Prüfung.
Diskutiert wird ein Verbot der Erstverschreibung per Telemedizin. Folgerezepte und Folgekonsultationen könnten weiterhin möglich bleiben. Das ist aber noch nicht final entschieden.
Das könnte für neue Patienten der Fall sein, wenn die Änderungen so beschlossen werden. Für bestehende Patienten sind derzeit keine sofortigen Änderungen vorgesehen.
Das wäre eine direkte Folge des geplanten Apothekenversandverbots. Wir informieren Sie, sobald sich hier etwas ändert und helfen Ihnen dabei, eine Alternative zu finden.
