Das Jahr 2025 geht zu Ende und hinterlässt eine grundlegend veränderte Cannabis-Landschaft in Deutschland. Vor zwanzig Monaten, im April 2024, trat das Medizinal-Cannabisgesetz in Kraft.
Was damals begann, entfaltete 2025 seine volle Wirkung. Die Patientenzahl erreichte im Herbst die 900.000er-Marke, Importmengen überstiegen erstmals 140 Tonnen und über 250 spezialisierte Apotheken versorgen mittlerweile Patienten bundesweit.
Für Sie als Betroffene oder Betroffener bedeutete dieses Jahr mehr Auswahl, bessere Verfügbarkeit und weiter sinkende Preise. Doch das Jahr endete mit Unsicherheit über die Zukunft.

Wie entwickelte sich die Patientenzahl im Laufe des Jahres 2025?
Anfang 2025 nutzten bereits etwa 250.000 Menschen medizinisches Cannabis. Diese Zahl stammte noch aus der unmittelbaren Zeit nach Inkrafttreten des MedCanG. Im Laufe des Jahres explodierte die Nachfrage förmlich.
Monat für Monat kamen Zehntausende neue Patientinnen und Patienten hinzu. Im Oktober 2025 überschritt die Gesamtzahl die Schwelle von 900.000.
Die Altersverteilung verschob sich spürbar. Während zu Jahresbeginn vor allem Menschen mittleren Alters Cannabis nutzten, wuchs über das Jahr hinweg besonders die Gruppe der über 55-Jährigen.
Laut Analysen von Grünhorn verzeichnete diese Altersgruppe den stärksten Zuwachs. Viele ältere Menschen entdeckten Cannabis als Alternative zu langfristig belastenden Schmerzmitteln oder Schlaftabletten.
Ein 63-jähriger Rentner aus Brandenburg berichtete im Sommer, dass er seit März Cannabis gegen seine Knieschmerzen nutzt. Jahrelang hatte er Ibuprofen genommen, was seinen Magen angriff.
Sein Hausarzt schlug Cannabis vor. Nach anfänglicher Skepsis probierte er es aus. Innerhalb von sechs Wochen konnte er die Schmerztabletten komplett weglassen. Seine Lebensqualität verbesserte sich merklich, er schläft besser und kann wieder längere Spaziergänge machen.
Die häufigsten Behandlungsgründe blieben über das Jahr konstant: chronische Schmerzen führen mit großem Abstand, gefolgt von Spastik bei neurologischen Erkrankungen, Schlafstörungen und ADHS. Bei ADHS zeigte sich ein besonders dynamischer Trend. Immer mehr jüngere Erwachsene zwischen 20 und 35 Jahren berichteten von positiven Erfahrungen mit Cannabis als Ergänzung oder Alternative zu klassischen Stimulanzien.
Was ermöglichte dieses rasante Wachstum überhaupt? Die Vereinfachungen durch das MedCanG wirkten 2025 in vollem Umfang. Ärzte verschreiben Cannabis nun genauso unkompliziert wie andere Medikamente.
Die Krankenkassen übernehmen die Kosten in den meisten Fällen ohne langwierige Prüfverfahren. Telemedizinische Anbieter machten den Zugang noch niedrigschwelliger, besonders für Menschen in ländlichen Regionen oder mit eingeschränkter Mobilität.
Welche Rolle spielte die heimische Produktion 2025?
Die drei deutschen Cannabis-Produzenten nutzten das Jahr, um ihre Kapazitäten massiv auszubauen. Demecan, Tilray und Aurora erhielten im Sommer 2024 unbegrenzte Anbaulizenzen. Diese Freiheit zahlte sich 2025 aus. Die Produktionsmengen stiegen deutlich, wenn auch längst nicht genug, um den Gesamtbedarf zu decken.
Demecan baute seine Anlage in Ebersbach bei Meißen kontinuierlich aus. Das Unternehmen kultiviert mittlerweile über ein Dutzend verschiedene Phänotypen. Die Blüteräume laufen rund um die Uhr unter pharmazeutischen Bedingungen.
Videoüberwachung, Schleusen und strenge Hygieneprotokolle gehören zum Alltag. Im Frühjahr erreichte Demecan erstmals eine Jahresproduktion von zwei Tonnen. Für 2026 plant das Start-up eine weitere Steigerung.
Tilray erweiterte sein Sortiment in Neumünster von drei auf 31 zugelassene Sorten. Diese Vielfalt ermöglicht präzisere Therapien. Ärzte können je nach Indikation und Patientenprofil gezielter auswählen. Tilray betont die höheren Produktionskosten in Deutschland im Vergleich zu Portugal oder Kanada.
Trotzdem setzt das Unternehmen auf Qualität und investiert weiter am Standort.
Aurora startete in Leuna neue Forschungsprojekte. Das Unternehmen untersucht verschiedene Anbaumethoden und deren Einfluss auf Cannabinoid-Profile. Auch neue Kultivare kamen hinzu. Aurora arbeitet eng mit deutschen Universitäten zusammen, um die Produktqualität wissenschaftlich zu optimieren.
| Produzent | Standort | Geschätzte Produktion 2025 | Besonderheit |
| Demecan | Ebersbach (Sachsen) | ca. 2 Tonnen | Deutsches Start-up, über 12 Sorten |
| Tilray | Neumünster (SH) | ca. 1,5 Tonnen | 31 zugelassene Sorten |
| Aurora | Leuna (Sachsen-Anhalt) | ca. 1 Tonne | Forschungsschwerpunkt |
| Gesamt deutsche Produktion | ca. 4,5 Tonnen | ||
| Importvolumen 2025 | ca. 140 Tonnen |
Die Zahlen zeigen deutlich: Deutschland deckt nur etwa 3 Prozent seines Bedarfs aus heimischer Produktion. Importe bleiben unverzichtbar. Trotzdem wächst das Interesse an deutschen Produkten. Viele Patienten schätzen kurze Lieferwege und die Vorstellung, dass ihr Medikament unter strengsten Standards vor Ort produziert wurde.
Wie veränderten sich die Importmengen 2025?
Die Importzahlen stiegen 2025 weiter stark an. Während 2024 etwa 72 Tonnen eingeführt wurden, überschritten die Mengen im Jahr 2025 die Marke von 140 Tonnen. Diese Verdopplung innerhalb eines Jahres spiegelt direkt die explodierende Nachfrage wider.
Portugal entwickelte sich zum wichtigsten europäischen Lieferanten. Die klimatischen Bedingungen und niedrigeren Produktionskosten machen das Land attraktiv für Produzenten.
Große Anlagen südlich von Lissabon beliefern mittlerweile den gesamten europäischen Markt. Über 50 Tonnen kamen 2025 aus Portugal nach Deutschland.
Kanada bleibt ein zuverlässiger Partner. Etablierte Unternehmen wie Tilray und Aurora importieren aus ihren dortigen Produktionsstätten. Die Qualitätsstandards sind hoch, die Lieferketten erprobt. Etwa 40 Tonnen stammten 2025 aus kanadischen Quellen. Die Niederlande lieferten weitere 25 Tonnen, kleinere Mengen kamen aus Israel und Australien.
Die Vielfalt der Lieferanten sorgt für Versorgungssicherheit. Als im Sommer ein großer portugiesischer Produzent wegen Umbauarbeiten zeitweise ausfiel, konnten kanadische und niederländische Lieferanten einspringen. Engpässe blieben überschaubar und regional begrenzt.
Allerdings stiegen auch die Anforderungen an die Logistik. Großhändler mussten Personal aufstocken und Lagerflächen erweitern. Canymed investierte erheblich in neue Kühlräume und Sicherheitssysteme. Die wachsenden Mengen erfordern professionelle Abläufe und präzise Planung.
Manche Patienten entwickelten über das Jahr Präferenzen für bestimmte Hersteller oder Herkunftsländer. Andere wechseln flexibel je nach Verfügbarkeit und Preis. Die breite Produktpalette mit über 1.300 verschiedenen Sorten gibt Ihnen die Möglichkeit, genau das Cannabis zu finden, das Ihnen am besten hilft.
Was geschah 2025 mit den Preisen?
Der Preistrend aus 2024 setzte sich fort. Zu Jahresbeginn lag der durchschnittliche Abgabepreis noch bei etwa 9 Euro pro Gramm. Im Laufe des Jahres sank er kontinuierlich. Im Dezember 2025 erreichte er seinen bisherigen Tiefpunkt bei etwa 8,20 Euro. Das entspricht einem Rückgang von knapp 10 Prozent innerhalb eines Jahres.
Besonders dramatisch entwickelten sich die Preise für mittelstarke Sorten. Cannabis mit 15 bis 20 Prozent THC kostete Ende 2025 teilweise unter 7 Euro pro Gramm. Das Überangebot in diesem Segment drückte die Margen. Hochpotente Produkte mit über 25 Prozent THC blieben dagegen relativ stabil bei 10 bis 12 Euro.
Der aggressive Preiswettbewerb verschärfte sich über das Jahr. Neue Online-Plattformen lockten mit Kampfpreisen. Manche Anbieter verkauften zeitweise unter Selbstkosten, um Marktanteile zu gewinnen. Diese Strategie funktioniert kurzfristig, führt aber zu wirtschaftlichen Problemen.
Mehrere kleinere Anbieter mussten im Jahresverlauf aufgeben oder wurden übernommen.
Faktoren, die 2025 die Preise nach unten drückten:
- Massiv gestiegenes Angebot traf auf nur mäßig wachsende Nachfrage
- Neue Marktteilnehmer setzten auf aggressive Preispolitik
- Online-Vergleichsportale machten Preisunterschiede transparent
- Importeure optimierten ihre Lieferketten und senkten Kosten
- Überbestände bei bestimmten Sorten mussten abgebaut werden
- Wettbewerb zwischen Versandapotheken intensivierte sich
Lohnt sich der Preisvergleich? Mehr denn je. Dieselbe Sorte kann zwischen verschiedenen Apotheken um 3 bis 4 Euro pro Gramm variieren. Bei einer Monatsration von 30 Gramm summiert sich das auf über 100 Euro Unterschied.
Vergleichsportale zeigen auf einen Blick, wo Ihre Wunschsorte gerade am günstigsten ist.
Stefan Fritsch von Grünhorn warnte im Herbst vor den Folgen des Preiskampfes. Wer dauerhaft unter Produktionskosten verkauft, riskiert seine Existenz. Auch die Qualität könnte leiden, wenn der Kostendruck zu groß wird. Patienten sollten neben dem Preis auch auf Beratungsqualität, Lieferzuverlässigkeit und Service achten.
Der Markt befindet sich in einer Konsolidierungsphase. Schwache Anbieter verschwinden, starke etablieren sich. Mittelfristig erwarten Experten eine Stabilisierung auf moderatem Preisniveau. Für 2026 rechnet die Branche mit Preisen zwischen 7,50 und 9 Euro im Durchschnitt.
Wie entwickelte sich die Apothekenlandschaft 2025?
Zu Jahresbeginn gab es etwa 50 auf Cannabis spezialisierte Apotheken. Ende 2025 sind es über 250. Diese Verfünffachung innerhalb eines Jahres zeigt, welches Potenzial Apotheken im Cannabis-Geschäft sehen.
Viele investierten erheblich in Sortiment, Schulungen und Marketing.
Die regionale Verteilung verbesserte sich, bleibt aber ungleich. Großstädte profitierten am stärksten. Berlin hat mittlerweile über 30 spezialisierte Cannabis-Apotheken, München etwa 20, Hamburg 15.
Auch mittelgroße Städte bauten ihre Angebote aus. In ländlichen Regionen bleibt die Versorgung schwieriger. Dort spielen Versandapotheken eine entscheidende Rolle.
Grünhorn entwickelte sich 2025 zum Branchenprimus. Die ursprünglich aus Leipzig stammende Plattform versorgt mittlerweile über 100.000 Patienten bundesweit.
Das Unternehmen führt über 400 verschiedene Cannabis-Produkte und bietet umfangreiche Online-Beratung. Im Sommer startete Grünhorn eine vielbeachtete Petition gegen geplante Gesetzesänderungen.
Auch etablierte Versandapotheken erweiterten ihre Cannabis-Sparten. Shop Apotheke, DocMorris und andere investierten in Sortiment und Expertise. Der Versandhandel ermöglicht bundesweite Versorgung unabhängig vom Wohnort. Besonders für Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder in abgelegenen Regionen ist das unverzichtbar.
Stationäre Apotheken punkteten mit persönlicher Beratung. Gerade Einsteiger schätzen das direkte Gespräch. Fragen zu Dosierung, Wirkung oder möglichen Nebenwirkungen lassen sich im persönlichen Austausch oft besser klären. Manche Apotheken bieten mittlerweile spezielle Beratungstermine an, bei denen sich Apotheker ausführlich Zeit nehmen.
Praktische Wege, um 2025 eine Cannabis-Apotheke zu finden:
- Online-Plattformen wie Grünhorn, Algea Care oder Canify durchsuchen
- Google Maps mit Suchbegriff „Cannabis-Apotheke“ nutzen
- Ihre Hausapotheke fragen, ob sie Cannabis führt oder bestellen kann
- In Patientenforen oder Selbsthilfegruppen nach Empfehlungen suchen
- Bei Ihrer Krankenkasse nachfragen, welche Apotheken regional liefern
Die wachsende Zahl spezialisierter Apotheken verbesserte die Versorgungsqualität spürbar. Wartezeiten sanken, die Produktauswahl wuchs und die Beratungskompetenz stieg. Gleichzeitig verschärfte sich der Wettbewerb, was Preise senkte und Service-Standards erhöhte.
Welche regulatorischen Entwicklungen prägten das Jahr 2025?
Das Jahr begann mit Optimismus. Das MedCanG funktionierte, die Versorgung lief weitgehend reibungslos. Doch ab Sommer mehrten sich kritische Stimmen aus der Politik. Das Bundesgesundheitsministerium sprach von einer „bedenklichen Fehlentwicklung“ bei den Importmengen und Online-Verschreibungen.
Im Oktober beschloss das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf zur Änderung des MedCanG. Die geplanten Maßnahmen würden die Versorgung erheblich einschränken. Kernpunkte sind ein verpflichtender persönlicher Arztkontakt vor jeder Verschreibung und ein Versandverbot für Cannabis.
Telemedizinische Erstkonsultationen wären nicht mehr möglich. Das Cannabis müsste persönlich in der Apotheke abgeholt werden.
Diese Pläne lösten einen Sturm der Entrüstung aus. Grünhorn startete eine Online-Petition, die innerhalb von 17 Stunden 2.500 Unterschriften sammelte.
Bis Jahresende unterzeichneten über 50.000 Menschen. Patientenorganisationen, Ärzte und Apotheker kritisierten den Entwurf scharf. Sie argumentieren, dass der Anstieg der Nutzerzahlen kein Missbrauch sei, sondern endlich funktionierende Versorgung.
Die Apothekerverbände sind gespalten. Während die ABDA das Versandverbot befürwortet, um stationäre Apotheken zu stärken, warnen Versandapotheken vor einem Versorgungskollaps. Die Diskussion wird Anfang 2026 weitergehen. Ob die Verschärfungen kommen oder abgemildert werden, bleibt offen.
Am Jahresende herrscht Unsicherheit. Viele Patienten fragen sich, wie lange sie ihre gewohnten Versorgungswege noch nutzen können. Ärzte überlegen, wie sie persönliche Kontakte organisieren sollen. Apotheken bereiten sich auf mögliche Szenarien vor. Das optimistische Aufbruchsgefühl vom Jahresbeginn ist einer bangenden Erwartung gewichen.

Fazit: Warum 2025 als Jahr der Transformation in Erinnerung bleibt
Das Jahr 2025 veränderte die medizinische Cannabis-Landschaft in Deutschland fundamental. Die Patientenzahl vervierfachte sich auf über 900.000, Importmengen verdoppelten sich auf über 140 Tonnen und über 250 spezialisierte Apotheken entstanden.
Erstmals funktionierte die Versorgung weitgehend reibungslos. Sinkende Preise und wachsende Produktvielfalt verbesserten die Situation zusätzlich.
Doch das Jahr endete mit einem Wermutstropfen. Die geplanten Gesetzesänderungen drohen viele Fortschritte zunichtezumachen. Ob sich die Politik durchsetzt oder auf die breite Kritik reagiert, wird 2026 entscheiden.
Für Sie als Patientin oder Patient bleibt wichtig, informiert zu bleiben und Ihre Interessen zu vertreten. Das Jahr 2025 hat gezeigt, wie schnell sich Versorgungssituationen verbessern können, wenn regulatorische Hindernisse fallen.
Es liegt nun an Politik und Gesellschaft, diese positive Entwicklung nicht wieder zurückzudrehen, sondern verantwortungsvoll weiterzuführen.
Häufig gestellte Fragen!
Ende 2025 waren es über 900.000 Patientinnen und Patienten, mehr als dreimal so viele wie zu Jahresbeginn. Der stärkste Zuwachs zeigte sich bei Menschen über 55 Jahren. Die häufigsten Behandlungsgründe bleiben chronische Schmerzen, Spastik, Schlafstörungen und ADHS.
Ja, die durchschnittlichen Abgabepreise sanken von etwa 9 Euro auf rund 8,20 Euro pro Gramm. Besonders mittelstarke Sorten wurden deutlich günstiger, teilweise unter 7 Euro. Der zunehmende Wettbewerb und das wachsende Angebot drückten die Preise kontinuierlich.
Die drei deutschen Produzenten Demecan, Tilray und Aurora bauten 2025 etwa 4,5 Tonnen an. Das deckt nur etwa 3 Prozent des Gesamtbedarfs. Der Rest von über 140 Tonnen stammt aus Importen, hauptsächlich aus Portugal, Kanada und den Niederlanden.
Das plant die Bundesregierung, aber das Gesetz ist noch nicht beschlossen. Der Kabinettsbeschluss vom Oktober 2025 muss noch Bundestag und Bundesrat passieren. Patientenorganisationen protestieren massiv gegen das geplante Versandverbot. Bis zu einer rechtskräftigen Änderung bleibt der Versand erlaubt.
Es gibt mittlerweile über 250 spezialisierte Cannabis-Apotheken bundesweit. Online-Plattformen wie Grünhorn, Algea Care oder Canify zeigen verfügbare Apotheken und Produkte. Auch Ihre Hausapotheke kann Cannabis bestellen, selbst wenn sie es nicht standardmäßig führt.
